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  Gespräch: kontrovers - Fragen an Thomas Seelig, Sammlungskurator am Fotomuseum Winterthur
von Thomas Leuner

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Themen: Fotomuseen im Zeitalter des Umbruchs, die Ausstellung Forschen und Erfinden, das Selbstverständnis als "Experte" und die jüngste Publikation Photo Art im 21. Jahrhundert.


Th. L.
Die Fotografie wird von dem medialen Umbruch des neuen Jahrtausends besonders stark betroffen. Dieser Umbruch scheint total. Das reicht von den Fotos im Internet bei Flickr bis hin zu generierten Bildern aus dem Rechner und Digital-Kameras zum Filmen. Schwappt dieser Umbruch auch in den Bereich der Kunstfotografie?

Thomas Seelig
Natürlich spüren wir in einem auf Fotografie spezialisierten Museum deutlich, dass sich die Materialität und auch die Produktionsabläufe in der Fotografie in den letzten Jahren sehr rasch verändert haben. Der Einzug des Digitalprints, das Bearbeiten am Bildschirm statt in der Dunkelkammer, generell, die Abhängigkeit von industriell unterstützten Formaten führt dazu, dass sich Werkformen neu entwickeln und andere verschwinden. Da das aus technischer Sicht immer schon passiert ist, habe ich da keine weiteren Bedenken. Ästhetisch gilt es eher, den Möglichkeiten der gereinigten Bilder zu widerstehen.

Th. L.
In einem Interview mit Rineke Dijkstra im Jahre 2006 hattest Du die Frage über die Abhängigkeit der Künstler von industriell unterstützen Formaten und über die von Labors und Laboranten gestellt. War das damals ein Befund, eine Gefahr oder ist das eine generelle Beschränktheit des Mediums? Und um diese Frage noch zu erweitern: Was verstehst Du unter „gereinigten Bildern“? Wie und warum sollte dem „Reinigen“ widerstanden werden?

Thomas Seelig
Das ist eher als Befund zu sehen. Er lässt Schlüsse zu, wohin sich das Medium entwickeln mag. Wenn ein Fotograf zum Beispiel Barytpapier verwenden möchte, dies aber nur noch über dunkle Kanäle aus dem Ostblock bekommen kann, wo die Umweltgesetze im Bezug zum Silberanteil im Papier nicht so streng sind, dann stirbt eben auch eine sehr charmante und erprobte Werkform. Im
24.06.2008

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