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Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst
 
   

 
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  Keine Druckerei mit anhängendem Verlag - ein Gespräch mit Nadine Olonetzky - Seite 7


Bei vielen Büchern ist jedoch während des Enstehungsprozesses das Prinzip Dialog bestimmend. Diese Art von Auseinandersetzung – es ist eine Form von Gesprächskultur, die man über Monate aufrechterhalten muss und die manchmal auch ein Ringen um Kompromisse ist – braucht viel kreative Energie, psychologisch-diplomatisches Geschick, Durchsetzungsvermögen und Verantwortungsgefühl.(Ich habe also durchaus Verständnis für Gerhard Steidls Lösung, weil auf diese Weise viele teils schwierige Gespräche wegfallen). Aber ich denke, der Künstler ist kein Feind, den man ausschalten muss, um es drastisch zu sagen. Im Gegenteil führt diese Art von dialogischem Entwickeln des Buchs letztlich zu Resultaten, hinter denen alle Beteiligten stehen, weil alle wissen, weshalb es zu welcher Lösung gekommen ist. Während der Produktion treffen grundsätzlich mehrere Blicke (und Wünsche) aufeinander: Die Fotografin oder der Kurator einer Ausstellung ist mit der Arbeit, um die es geht, vertraut, weiss viel, was sehr wichtig ist, hat aber auch eine Innensicht, ist also 'betriebsblind'. Das kann etwa für die Bildauswahl hinderlich sein. Ich bzw. wir hingegen kommen von aussen hinzu, betrachten das gesamte Material mit einem frischen Blick, aber auch mit dem Ziel, ein Buch zu machen – und nicht etwa eine Ausstellung oder einen Auftritt auf einer Website. Dramaturgie, Rhythmus und Reihenfolge von Bild und Text müssen also auf dieses Produkt hin inhaltlich, gestalterisch, aber auch produktionstechnisch thematisiert werden. Wenn zum Beispiel das Format des Buchs übergroß ist, führt das zu sehr viel höheren Kosten. Oder wenn für zwei Bilder gleich ein ganzer Achterbogen mehr gedruckt werden müsste, muss man sich eben (schmerzhaft) trennen von einigen Bildern oder eine andere gestalterische Lösung finden. Das allein kann viel Diskussionsstoff liefern.
Die Gestalter – wir arbeiten bei ungefähr der Hälfte der Bücher fest mit einem Grafiker zusammen, für alle anderen Projekte wird von uns, den Fotoschaffenden oder der Institution speziell jemand gewünscht und angefragt – haben wiederum einen eigenen Blick auf das Bild- und Textmaterial. Das ist auch richtig so. Ihre Vorstellungen, was Format oder Papier, Typografie oder Bildgrößen betrifft, ist ja ein wichtiger Teil der Qualität. In den Dialog sind also sämtliche Protagonisten des Projekts einbezogen. Das fertige Buch muss dann in die Buchläden kommen und in den Medien besprochen werden, damit die Leute überhaupt wissen, dass es das Buch gibt. Das klingt vielleicht lapidar und selbstverständlich, doch die Vernetzung des Verlags durch einen internationalen Vertrieb und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit muss man erst mal aufbauen; sie sind unglaublich wichtig.

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Geht man in einschlägige Kunstbuchhandlungen wie Orell Füssli oder Walter König, so herrscht im Fotobereich häufig eine „Krusch-Mentalität“. Da steht alles wild durcheinander: Mode, spekulativer Akt, trockene Fotogeschichte, Journalismus von WorldPress bis zum Coffee-Table-Format, Fotokunst als Monografie oder Künstlerbuch, dann natürlich Technik für Fotoamateure und Theorie für den Studenten der Kunstwissenschaften. Am leichtesten ist der Bereich Erotika zu finden. Wie will man in diesem Umfeld Qualität und Niveau verkaufen?

16.07.2009

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