www.fotokritik.de

Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst
 
   

 
Beiträge '12
Beiträge '11
Beiträge '10
Beiträge '09
Beiträge '08
Beiträge '07
Beiträge '06
Beiträge '05
Bilder

Neu gelesen
Ikon-Archiv

Englische Texte




Suche
  "Fiche im Netz" – Glanz und Elend des Fotonetzes (1983-85) - mit Bild-Blog - Seite 3


Joachim Schmid, als Herausgeber der Zeitschrift Fotokritik (1982 bis 1988, seit 2005: www.fotokritik.de) gleichzeitig Sympathisant und skeptischer Begleiter des Unternehmens, gab zu Bedenken, dass das Unternehmen zwar gut zum Informieren sei, aber die sinnliche Qualitäten der Fotografie auf der Strecke bliebe – angefangen mit einem edlen Abzug und aufgehört mit dem Einblick in den Ausschnitt einer schönen Frau auf der nächsten Vernissage (Fotokritik 4, April 1983, S.16f.). Ungewollt visionär erwies sich Schmid mit der ironischen Feststellung, dass sicherlich schon bald die Ausstellungseröffnungen per Telefon erfolgen würden. Die Realität überholte den Spott, denn heute finden weltweit und täglich Vernisagen im Internet statt. An der fehlenden Sinnlichkeit der – jetzt digital und über die Telefonleitung als Datenpakete übermittelten Kunst hat sich nichts geändert, vorausgesetzt, man argumentiert mit einem tradionellen Begriff eines real existierenden, auf Papier, Leinwand oder in Stein und Stahl ausgeführten Werks. Im Zeitalter von Handyfotografie und Computerkunst haben die analogen (oder ausgedruckten digitalen) Werke nichts von ihrem Charme und ihrer taktilen Qualität verloren, die immateriellen Werke aus den Tiefen der Datenspeicher aber sind schon lange nicht nicht mehr so abstrakt, kalt und fremd, wie sie 1983 vielleicht noch erscheinen mochten. Sie sind heute alltäglich und Reinhard Matz wäre wohl heute der letzte, der dies verwerflich fände (vgl. Photonews Nr.3 und Nr.4, 2005).

„Wir wollen die Produzenten und Interessenten aktueller Fotografie vernetzen!“ schrieben Horlitz und Matz 1983 zu ihrem Projekt Fotonetz. Heute geht das über das Internet viel einfacher als vor Jahren. Das Fotonetz hat aufgrund seiner analogen Ausführung auf Silberfilm überlebt und wird deshalb auch weiterhin im Datenstrudel des Informationszeitalters nicht untergehen. Die umständliche Benutzbarkeit der unsinnlichen, aber nicht unsinnigen Fiches hat bislang eine eingehendere Beschäftigung mit den auf ihnen gespeicherten Informationen über fotografische Projekte und zu künstlerischen Positionen verhindert. Hier liegt noch ein Schatz, der, in Hinsicht auf die Geschichte der Fotografie in Deutschland um 1980, noch zu heben wäre....


Konzeption und Struktur

Fotonetz war einmal. Die eigene Erfahrung auf der langwierigen Suche nach den drei Jahrgängen lehrte, dass die Ausgaben nur sehr selten in den Antiquariaten auftauchen (vielleicht verfügen die Herausgeber noch über Restexemplare). Immerhin hatten zwei wissenschaftliche Bibliotheken das Fotonetz abonniert und verfügen seitdem über den kompletten, für jedermann einsehbaren Bestand (Universitätsbibliotheken Essen und Kassel).

26.07.2009

< | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | >
Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel
google english translation
Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben
Email an den Autor

Druckversion
 
Editorial
Autoren

Forum
Newsletter

Mitarbeit
Kontakt

Impressum