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  Städteportraits von Bernard Larsson und William Klein - Fotobücher "neu gelesen", Folge 5 - Seite 3


Das Präsent des ZEIT-Verlages für Weihnachten 1965 war William Kleins (* 1928) Städteportrait über Moskau, das für 1966 das ebenfalls von Klein fotografierte Buch über Tokio. Beider Bücher Vorgänger waren die berühmten Werke über New York (1956) und Rom (1959). Tokio und Moskau waren 1964 in ihren Originalausgaben erschienen und kamen auch in anderen Sprachen heraus. Die Bildteile der 1965 folgenden deutschen Versionen wurden, wie die anderen, in Japan im Kupfertiefdruck gedruckt, die Textteile dagegen in Lengerich (Westfalen). Die Bindung erfolgte in Bielefeld. Auch in diesen beiden gleich großen und dicken Büchern gibt es auf ein ganzseitiges, vor dem Schmutztitel diskret eingeklebtes Blatt gedruckte, von Bucerius und Müller-Marein unterzeichneten Widmungen an einen speziellen Empfänger. Zumindest für das Tokio-Buch gibt es auch eine Variante mit den Unterschriften von John Jahr und einer zweiten Person.[6] Es ist bezeichnend, dass der Verlag diese kleine Reihe mit einem Buch über Berlin begann und dann mit zwei Antipoden fortsetzte, wie es schon in der geteilten ehemaligen Hauptstadt angelegt war: Moskau und Tokio, Kommunismus und Kapitalismus. Die beiden Bücher sind durchaus etwas unterschiedlich fotografiert; Klein interpretierte Tokio als einen verdichteten Strudel von Menschen und Häusern, was für die japanische Fotografie von großem Einfluss war,[7] Moskau wirkt dagegen ruhiger, mehr aus der Distanz. Vielleicht konnte sich Klein in Moskau nicht so frei bewegen wie in Tokio?

Gemeinsam ist den drei Büchern ihr Aufbau und ihre gute Druckqualität[8]: einem Vorwort folgen die Bilder, die in einzelne Kapitel strukturiert sind. Die Fotos werden mit kurzen Bildtexten erläutert, die am Ende der Vorworte (Klein) oder am Anfang der Kapitel (Larsson) zu finden sind. Als Navigationsinstrument dienen in allen drei Büchern die Seitenzahlen, die aber häufig aus Gestaltungsgründen weggelassen wurden.[9] Der Fluss der Bilder wird, zumindest innerhalb jedes Kapitels, praktisch nicht durch Texte gehemmt. Die einleitenden Texte sind bei Klein eher informativ, als Entree zu Larssons Bilder gibt es jedoch ein Stück atemloser Literatur. Denn Michel Butor hat seine Impressionen aus der geteilten Stadt in einen einzigen, über knapp elf Seiten laufenden Satz gepackt.
Larsson war eine Zeit lang Assistent bei Klein. Gemeinsam sind beiden eine expressive Bildsprache, die vor kräftigen Schwärzen, grobem Korn und (dynamischen) Unschärfen nicht halt machte. Warum der Nannen-Verlag die beiden Bücher Kleins übernommen hat? Die Frage ist, an wen die ZEIT zuerst gedacht hatte: an Klein, der seinen früheren Mitarbeiter empfohlen hatte oder umgekehrt an Larsson, der sich für Klein verwendet hatte. Ein enger Zusammenhang ist jedenfalls anzunehmen.

22.02.2010

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