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Städteportraits von Bernard Larsson und William Klein - Fotobücher "neu gelesen", Folge 5 - Seite 5 Bernard Larssons Berlinbuch Bücher über Berlin gibt es genug, darunter auch eine große Menge wirklich bemerkenswerter Beispiele. Aus der Zeit des Kalten Krieges gehören beispielsweise die beiden Werke „Verliebt in Berlin“ (Edith Rimkus/Horst Beseler, 1958) und „Menschen in Berlin“ (Nico Jesse, 1960) dazu, das erste aus einer überraschenden Perspektive des Ostens, das zweite vom Westen aus geschrieben und fotografiert. Der Mauerbau liegt zwischen Larsson und Rimkus/Beseler bzw. Jesse, dessen Berlin-Buch das dritte und letzte einer Serie von Städteportraits war.[10] Aber nicht nur die Abkühlung des Klimas in des geteilten Berlin ist bei Larsson zu spüren, Titel „Die ganze Stadt Berlin“ und Untertitel „Politische Fotos“ signalisieren schon auf dem Umschlag, wie das Buch gemeint war. Das Bildmotiv zeigt drei tobende Kinder vor der Kulisse des noch kriegsbeschädigten Berliner Doms im Osten; es kehrt, nunmehr in anderem Ausschnitt mit fünf Personen (davon eine in Rückenansicht) wieder auf S.181/182 unter dem Titel „An der Spree, auf der Höhe des Pädagogischen Instituts“. Das Motiv schließt hier das Kapitel „Die Privilegierten“ ab, das etliche Kinderbilder enthält als ob Larsson damit sagen wollte, dass die unschuldigen Kleinen nichts für die Situation können, in die sie unbelastet hineinwachsen werden. Überhaupt hat Larsson oft Kinder mit in seine Kompositionen einbezogen: als desinteressierte Beobachter einer Mai-Kundgebung (S.72/73) oder, interessierter, an einer frischen Gedenkstätte für ein Maueropfer (S.174/175), an der Hand der Mutter (so sieht es jedenfalls aus) in einem unscharf wie konspirativ fotografiert wirkenden Alltagsmotiv aus Ostberlin (S.90/91), beim „Kreiselspiel am Straussberger Platz“ in der überbreiten Karl-Marx-Allee (S.112/113) oder bei vielen anderen Gelegenheiten. Larssons Idee, immer wieder jugendliche Protagonisten zu zeigen, trifft sich mit der Methode von William Klein, Chargesheimer (Unter Krahnenbäumen, 1958; Berlin, 1959), Dirk Alvermann (Keine Experimente, 1961), Carlo Bavagnoli (Gente di Trastevere, 1963) oder anderen – immer dann, wo das Leben auf der Straße eine wichtige Rolle spielt oder als Pars pro Toto zu stehen hat. Larssons Motive sind nicht, wie bei Chargesheimer 1959 oder bei Jesse 1960, durch ein Sternchen in der Legende nach Ost und West sortiert. Zuweilen lassen sich Bauten im Hintergrund zuordnen, oder die Bildtexte verraten, wo was fotografiert wurde. Die Bildstrecke beginnt mit dem „Innenhof einer Bildgießerei, Friedenau“, gemeint ist die Traditionsfirma Noack (im Westen, S.20/21). Zu erkennen sind Gerüste und Teile von Skulpturen, vor allem ein einarmiger Gladiator und eine Nymphe in Abwehrhaltung. Die (Kultur-)Geschichte auf den Hinterhof verbannt? Das nächste Bild zeigt den Grenzübergang Checkpoint Charlie: zwei Frauen hantieren mit Koffern, ein Uniformierter mit Kelle fixiert den Fotografen. Im Hintergund wird ein PKW kontrolliert. Ansonsten öde Verkehrsflächen, hinten die Mauer mit Panzersperren und rechts eine häßliche weitere Sperrmauer mit zusätzlicher Stacheldrahtbewehrung. Zwischen dem Uniformierten und den beiden Frauen verläuft ein auf den Asphalt gemalter Strich – war das die Grenze? Die Frauen hätten sie damit schon überschritten und müssen jetzt noch weitergehen bis zur Kontrollstelle im Hintergrund. 22.02.2010 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | > Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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