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Städteportraits von Bernard Larsson und William Klein - Fotobücher "neu gelesen", Folge 5 - Seite 6 Auf Bild 128 liegt ein Jugendlicher im Sportlerdress zusammengekrümmt auf einer Wiese vor einer aus der Nazi-Zeit stammenden Monumentalskulptur zweier Athleten. Dies wurde am Olympiastadion (1936) aufgenommen. Auf der gegenüberliegenden zweiten Hälfte der Doppelseite ist eine Straßenszene zu sehen; eine alte Frau beäugt im Vorübergehen die Auslagen eines Gemüsestands, rechts sind ein Passant und ein Junge mit Sonnenbrille angeschnitten. Das Motiv fand Larsson im Osten, eine Propagandatafel an der Hauswand hinter den Kohlrabi und Blumenköpfen zeigt das deutlich. Was will diese Doppelseite – im Kapitel „Kleider“ – sagen? Die Symbole der Macht beherrschen nach wie vor den Alltag, ob in West oder Ost? Adenauer und Ulbricht sind beide vertreten; der eine 1962 als würdevoll beschirmter Gast einer Gedenkfeier (S.142/143), der andere, ein Umblättern später, überlebensgroß auf einem Transparent (Bildtitel: „Funktionäre“, S.146/147) oder, noch größer und in sechs Phasen abgelichtet, in der Friedrichstraße, wo sein Bild mittels Drehleiter am Haus der SED-Kreisleitung montiert wird (S.192/193). Auch die Kulturschaffenden sind gerecht verteilt: Fritz Lang und Günter Grass dort, Stephan Heym und Anna Seghers dort. Immer wieder hatte Larsson Skulpturen ins Visier genommen. Nur aus Spionageperspektive von oben zu sehen sind sie hinter einem hohen Zaun auf der Museumsinsel (S.100). Larsson zeigt eine 1954 aufgestellte „Aufbauhelferin“ von hinten (S.107), eine etwas heruntergekommende Amazone vor dem Alten Museum kombiniert mit einem Fahnenträger auf einem Friedhof (S.114/115), die monumentale Victoria auf der Siegessäule (S.148) mit profaner Besucherplattform (S.149), irgendwo abgestellte nackte Kämpfer aus der Moderne der zwanziger Jahre (S.152/153) oder einen lädierten Puttenkopf zusammen mit einem Versehrten im Krankenfahrstuhl (S.154/155). Ein in rasendem Stillstand verharrender Kradfahrer von Prof. Esser fristet sein Dasein zweckentfremdet als Ablage von Gipsabgussformen an einer Werkstattwand (S. 156/157). Was waren die politischen und kulturellen Symbole noch wert angesichts der Situation, die in Berlin herrschte? Larssons Antwort auf diese Frage war deutlich. Nebenbei: Max Essers futuristisch bewegter Motorradfahrer aus den dreißiger Jahren, es dürfte Ernst Henne auf einer BMW sein, steht „erst“ seit 1989 an der Avus.[11] 22.02.2010 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | > Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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