www.fotokritik.de Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst |
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"Direkte Fotografie" Verlust der Realität - Gefährdung der Fotografie? - Seite 2 Da die Fotografie selbst nicht mehr abgelehnt werden kann, besteht das Bedürfnis, die eigentlich „banale“ Fotografie zu veredeln und zu „Kunst" zu verdichten. Unter dem Label „digital" wird der Stempel von Photoshop bemüht, werden Rendering-Programme genutzt, in der Meinung, so würde Neues entstehen. Im Ergebnis allerdings unterscheidet sich diese Haltung kaum von den Piktoralisten der Jahrhundertwende, die ihre Negative mit Pinsel und Spachtel bearbeiteten. Oder es wird etwas, das als Reproduktionsmedium für Objekte der Bildhauerei, Installation oder Performance genutzt wird, dann als Fotografie ausgegeben. Oder wir haben es mit "Fotokunst" zu tun, die jedes Bild auf Fotopapier für Fotografie hält und den Verlust der Realität als „postmodern" feiert.Eigentlich sind diese mit großem Applaus bedachten Tendenzen unverständlich. Handelt es sich doch hier bei der Vergeistigung der künstlerischen Produktion - also der Reduzierung der Tätigkeit auf die Wahl des Ortes, der Zeit, der Kamerabedienung und des Ausdrucks - um genau jene Art der künstlerischen Produktion, die das digitale Zeitalter am genauesten widerspiegelt. In den kurzen Jahrzehnten ihrer Existenz hat die Fotografie einen langen Weg der Emanzipation von der Malerei und Grafik hinter sich. Eckpunkte sind die Neue Sachlichkeit, die Fotografie um und mit Walker Evans, die amerikanische Dokumentar-fotografie der 70er Jahre, deren Aufarbeitung und Transformierung durch die konzeptionelle Dokumentarfotografie des Ehepaars Becher und von Michael Schmidt.Wer Kunst als Reflektion der gesellschaftlichen Gegebenheiten ernst nimmt und sich darauf besinnt, dass die wesentliche Arbeit in dieser Gesellschaft in der Bedienung von Apparaten besteht, muss der Fotografie den ihr gebühren-den Rang einräumen. Dabei geht es nicht um die dogmatische Frage, was Fotografie ist und was nicht. Vielmehr steht hinter dieser zeitge-nössischen, aber auch klassischen Vorstellung von Fotografie eine kulturelle Einstellung, die davon ausgeht, dass die größte Inspirationsquelle der Kunst die Realität ist. Dieses Reiben an der Realität macht die inhaltliche Brisanz der Fotografie aus und unter-scheidet sie von Kunstgewerbe und Salon. 30.12.2005 < | 1 | 2 google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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