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Nach Parr – Über den Markt mit Fotobüchern - Seite 3 Wie bei einem Indexfonds ließe sich nun mit dem Parr in der Hand eine aussichtsreiche Kollektion an Büchern zusammenstellen. Geschmack und Fachkenntnis sind nicht mehr nötig, wenn nur die Börse gut gefüllt ist. Denn die Preise auf dem Fotobuchmarkt sind spürbar gestiegen – selbstverständlich ohne Garantie für weiteren Anstieg. Durch die Popularisierung der Titel wurden weltweit neue Käuferschichten erschlossen. Das gilt sowohl für Europa, wo die Entdeckung der japanischen Klassiker (Araki, Moriyma, Kawada etc.) forciert wurde als auch umgekehrt für Asien oder Amerika, wo man jetzt die Fotobuchkultur Europas verstärkt zur Kenntnis nimmt. Dass die Welt schön sei, wie Albert Renger-Patzsch (bzw. sein Verleger) es 1928 fotografisch zu beweisen suchte, wußten eigentlich alle mit der Materie Vertrauten. Dass aber die eigenen Eltern Witzfiguren sein können (Ray's a Laugh, Richard Billingham, 1996, www.designboom.com/eng/funclub/billingham.html) oder dass Gewalt eine Art Pornografie sei, wie von Klaus Staeck visuell untermauert (Pornografie, 1971, www.edition-staeck.de/index.html?d_23006_KLAUS_STAECK_Pornografie2535.htm), gehörte eher zum Spezialistenwissen. Folgen von Parr: Selbst die deutschsprachige Parallelausgabe oder die spätere Paperbackausgabe von Billinghams Werk (2000) sind derzeit quasi unauffindbar, für die originale Hardcoverausgabe müssen 400 oder mehr Euro gezahlt werden, vom Künstler signiert noch mehr. Staecks Buch wird, weil in den beiden früheren Auflagen vom Markt verschwunden, als Reprint neu herausgebracht. Die Preise für Renger-Patzschs altbekanntes und häufig angebotenes Werk Die Welt ist schön stagnieren dagegen, jedenfalls für die vielen, vielen Exemplare ohne Schutzumschlag, die keiner mehr haben will, der bei Parr gesehen hat, wie gut und eindrucksvoll das Buch in seinem von Vordemberge-Gildewart geschneiderten „Jacket“ daherkommt. Und die ganz Hartgesottenen beißen sich an der (bei Parr nur erwähnten, aber nicht abgebildeten) Komplettversion mit Bauchbinde und Schuber die Zähne aus, für die Phantasiepreise zu zahlen sein dürften, wenn überhaupt mal ein Exemplar zu haben wäre… Die sogenannten Mint-Sammler (mint = neuwertig und vollständig, den Begriff hat mir ein freundlicher Antiquar erst erklären müssen) und ihre Hoflieferanten sind die Fürsten, die argwöhnisch auf das Fußvolk der Parr-Spekulanten herabsehen. Sie sind die Alteingesessenen, die die Zuzügler auf Distanz zu halten trachten. Bestimmt wird eine ernsthafte Beschäftigung mit dem 35-Euro-Reprint von Staecks Pornografie (2007) genauso gut möglich sein wie mit der vielleicht 10fach teureren Originalausgabe (1971), aber das interessiert die „richtigen“ Sammler nicht, denn sie sammeln ja nur… Und wie ist dann die Auflage von 1978 zu bewerten, als zweite Originalausgabe, erster Reprint, verspätetes Original oder für Sammler wertloser Nachdruck? 18.02.2007 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | > google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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