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Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst
 
   

 
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  Der "Neue Workflow" - Seite 3


Photo-based art

Fast als Nebenprodukt der Digitalisierung ist die „photo-based art“ entstanden, also eine Kunst,die digitalisierte Bilder mit zeichnerischen und malerischen Mitteln bearbeitet und Eingriffe vornimmt, die über die reine Fotoretusche hinausgehen. Dieses neue Kunstsegment beruht auf der Technik, analoge Bilder digitalisieren zu können, ein Vorgang, der schon durch das Faxgerät vertraut ist. Hinzugekommen sind die enormen Rechnerleistungen bei den handelsüblichen Computern. Mit diesen sind mit Programmen wie Photoshop, Painter u.a. Bearbeitungen der fotografischen Vorlage möglich, die eindeutig dem Zeichen und Malen zuzuordnen sind und zusätzlich alle grafischenTechniken ermöglichen. Völlig neu sind diese Möglichkeiten nicht. Es wurden immer Fotografien abgepaust oder 1:1 also Vorlage für Zeichnungen und Gemälden genutzt. Das Porträt in Werbung und Propaganda hat durch unzählige Reproduktionsvorgänge - „photo-based“ - idealisierte Bilder von Frauen, Männern, Diktatoren oder Staatsoberhäuptern hervorgebracht. Beeindruckend sind aber die heutigen Variablen, die Schnelligkeit und die leichte Verfügbarkeit. Man hat eine Fotografie auf dem Bildschirm vorliegen, der aus flüssiger/flüchtiger Materie besteht und in jeder Richtung manipulierbar ist. Dieser Prozess kann aber jederzeit gestoppt
und auf Papier materialisiert werden. Katharina Sieverding hat diese künstlerische Technik im Zusammenhang mit ihrer Lehrtätigkeit als „Fast Food“ bezeichnet. Genau wie dort wird ein Geschmack künstlich nachvollzogen. Es wird Farbe aufgetragen, aber es entstehen keine Farbschichten, es wird geklebt, aber nichts liegt übereinander.Wie nicht anderes zu erwarten, hat diese neue künstlerische Technik einen Boom ausgelöst. Das Bilderproduzieren ist ohne Atelier mit Vorlagen möglich, die schon alles haben: das Sujet, die Farben, den Malgrund, die Techniken und die Effekte.Dieser Boom beginnt wie immer mit einer Kitschwelle, dem visuellen Überraschungscoup als Salonkunst. Dabei wird gnadenlos der Fundus der Kunst- und Fotogeschichte geplündert. Es wird geglättet, anonymisiert,stilistisch gemischt, geschnitten und geklont. Man erinnert sich in diesem Zusammenhang noch an die Entfesselung der Grafik und die bis zur Unleserlichkeit gestalteten Einladungskarten, die kryptischen Seitenlayouts als Folge von QuarkXpress und den Siegeszug der digitalen Layout-Programme. Besonders leicht ist die Verwertung der Bilderwelt des Internets, sogar das Scannen kann entfallen. So haben diese ersten leicht verdaulichen Produkte der „photo-based art“ auch ihren Weg in neue Absatzkanäle gefunden wie in die Lumas-Edition, den „Lidl“ der neuen Fotokunst.

12.04.2007

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