www.fotokritik.de Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst |
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Der "Neue Workflow" - Seite 5 Fotografie als Tafelbild Die klassische Fotografie wurde bis in die 80er Jahre hinein als eine Variante der Grafik behandelt - durch die Fotografen, die Ausstellungsmacher und den Kunsthandel. Solange die Fotografie schwarz-weiß war, schien das konsequent. Großformatige Abzüge hatte der Laborant zu machen, denn es entstanden nicht mehr als aufgeblasene Fotos. Daher entwickelte sich eine Kultur der Vintage Prints mit kleinformatigen Abzügen, die vom Meister selbst geprintet waren und die Dimension der Hand-Grafik hatten. Wie ein Blick in die Ausstellungen der zeitgenössischen Kunstfotografie zeigen, hat diese Fotografie als Dokument Bestand, teilweise wirkt sie in den Ausstellungen der aktuellen Kunst durchaus zeitgemäß. Diese meist in der Qualität von Baryt-Abzügen hergestellte Prints vermitteln aber eine gewisse Fragilität, die an das Medium der Zeichnung erinnert. Hinzu kommt, dass die meisten Fotografen wenig Geduld hatten, von den einzelnen Aufnahmen Serien herzustellen. Häufig wussten sie beim ersten Abzug überhaupt noch nicht, ob dieses Bild bei der späteren Auswahl berücksichtigt wird. Vintage Prints von bedeutenden Motiven werden daher auch weiterhin ein rares Vergnügen sein, inflationär dagegen die Schwemme der späteren Prints in neuster digitaler Technik, auch von historischen Bildmotiven und Datenträgern. Nun sind mit dem neuen Workflow großformatige Farbfotografien in der Anmutung eines Wandgemäldes möglich. Mit einem großen medialen Knall hatten dies die Becher-Schüler Ende der 80er Jahre vorgeführt. Die Porträts von Thomas Ruff, die subjektive Architektur und Reisefotografie von Andreas Gursky sind im Format und der visuellen Fantasie dafür konzipiert, Entrées von Bankhäusern, Museen und öffentliche Hallen zu füllen. Die hinter diesen Formaten stehende Printtechnik stammt aus der Werbung und dem Messebau. In diesen Bereichen wurde die klassische Form des Plakats durch neue Techniken abgelöst, die den öffentlichen Raum in neuen Dimensionen besetzten. Von Labors wie z. B. „Gigant-Foto“ aus Berlin stammte diese neuen Bildformate und eben nicht von ungefähr ist Düsseldorf, die Stadt der Werbung und der Messen, die Vorreiterin des Trends. Auch dem Kunstmarkt wurde schnell Referenz erwiesen. Archivfestigkeit wurde hergestellt, der Holzrahmen für den Gemälde-Look beigefügt und mit Aluplatte und Dia-sec für Glanz und Werthaltigkeit gesorgt. Durch dieses Tafelbildformat wurde die Malerei als repräsentative Kunstform in große Bedrängnis gebracht, von der sie sich trotz Malerei-Boom bis heute nicht erholt hat. Und für die Fotografie ist ein langer Wunschtraum in Erfüllung gegangen, sie wurde gleichwertiges Mitglied im bürgerlichen Kunsttempel. Die neue Bilddimension wurde auch von „Nicht-Fotografen Künstlern“ aufgegriffen.Dafür ist der Bildhauer Thomas Demand ein Beispiel, der seine Papp-Modelle durch das Medium Fotografie zu Wandgemälden in Serienproduktion umwandelte. Ein weiteres Segment der Tafelbilder bildet die inszenierte Fotografie.Auch hier arrangiert der Künstler Personen und Ereignisse zu Tafelbilden.Gefragt sind die Begabung und Kenntnisse der theatralischen Inszenierungen und der Studio-Fotografie. Natürlich sind Inszenierungen aus dem narrativen Kulturgedächtnis ein vertrautes Sujet und waren schon in der Frühphase der Fotografie ein beliebtes Gesellschaftsspiel. In ihnen spiegelt sich den Stilgeschmack der jeweiligen Epochen wieder. Aus heutiger Sicht hinterlassen diese Bilder aber einen zwiespältigen Eindruck. Denn nur die Reste des authentischen Blicks auf das ferne und fremde 19. Jahrhundert wecken noch Interesse. Daher wird nachvollziehbar, warum sich die zeitgenössischen Künstler mit inszenierten Bildern schwer tun. Teilweise wird auf die Ikonografie des Films zurückgegriffen und in aufwendig produzierten Filmstills dabei nur 1:1. dessen Sprache übernommen. Ein weiterer Bereich ist die sogenannte People-Fotografie der Werbung, die mit Models angeblich realitätsnahe Szenen arrangiert. Mag der Künstler seine Inhalte auch noch so gegen den Strich bürsten, es bleibt die Sprache der Werbung. Interessant wird es dann, wenn sich die fotografische Sprache mit kontroversen Inhalten mischt – wie bei einem Teil der Arbeiten von Jeff Walls und Cindy Sherman. 12.04.2007 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | > google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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