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Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst
 
   

 
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  Der "Neue Workflow" - Seite 7


Der Film:
Der nie sonderlich beliebte Film - er wurde abgeschafft, fotografiert werden kann umsonst, nicht mit jedem Druck auf den Auslöser wird fotografischer Wegzoll entrichtet, der User ist, ganz im Sinne des Internets, frei.Für Kulturpessimisten ist das die Öffnung der Schleuse zur hemmungslosen Knipserei und dem Verlust der Konzentration auf das „eine“ Bild. Der Modernist hingegen ist begeistert, jetzt kann er sich grenzenlos an das „eigentliche“ Bild heranpirschen und sich der unumschränkten Bildersucht hingeben. Aber beides sind ideologische Positionen. Denn tatsächlich führte das reuelose Knipsen zu einem Popularitätsschub und der flächendeckenden Verbreitung der papierlosen Fotografie. Den Ausdruck ersetzt das Display, es wird zum Betrachten herumgereicht, dann verschwindet das Bild im digitalen Papierkorb oder in einer Datei auf der Festplatte für Beamer, E-Mail oder die eigene Internet-Galerie.Bei der Kernfrage, ob Fotografie noch „Schreiben mit Licht“ ist, bewegen wir uns aber weiterhin auf vertrautem Terrain. Das Licht fällt auf den Chip, die elektrischen Impulse werden digitalisiert und als RAW-Dateien gespeichert.Das ist das digitale Negativ, tatsächlich aber zu behandeln wie ein digitales Dia oder noch genauer eine Schwarz-Weiß-Aufzeichnung, die mit Farbe gefiltert wird. Die RAW-Datei ist fast neutral, kaum von Software korrigiert. Das ist die weitere Neuerung.Um diese aber in ihren ganzen Umfang zu begreifen, muss man sich an den analogen Film erinnern. Da gibt es den Kodakchrome 64 (Dia), dessen Sound jahrzehntelang das Design einschlägiger Publikationen wie Natural Geographic bestimmten hat, das Grün von Fuji, das Rot der frühen Agfa Filme - Nazi- und 50er Jahre Erinnerungen-, die Farb-Negativfilme der 80er und 90er Jahre mit dem Pastell für Hochzeitsevents. Aufgeteilt wurde diese Welt in bunte Amateurfilme und das technisch-blaue oder rote Pickel schluckenden Material der Profis. Die konfektionierte Farbe wurde als mediales Kennzeichen schicksalhaft hingenommen. Man diskutierte über das Dargestellte und übersah das ermüdende Einerlei der Farbe. Immerhin, es gab auch Begabungen, die mit dieser Beschränkung wirklich farbig gedachte Bilder fotografieren konnten, wie der legendäre William Eggleston mit seinen im Dye-Transfer Verfahren gedruckten Bildern.

12.04.2007

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