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Der "Neue Workflow" - Seite 9 Der Print: Der letzte Teil der Handarbeit ist durch den Printer verschwunden. Das mythische Entstehen der Bilder im roten Lichte der Dunkelkammer – langsam in der Flüssigkeit des Entwicklers, wie ein kleines Wunder – dürfte für die Mehrzahl der Fotografen nostalgische Erinnerung bleiben. Diese Entwicklung hatte sich schon bei der Farbfotografie der 80er Jahren angedeutet, als die Entwicklungsmaschinen immer mehr die Wannen mit Chemie verdrängten und der gestalterische Aufstieg der Laboranten und Fotodienstleister begann. Die Fotografie in der Dimension eines Wandgemäldes wurde zur Manufakturarbeit, der Fotograf fotografierte und überwachte (bestenfalls) die Produktion des Prints. Auch hier wieder die Vorgabe konfektionierter Materialien, von Dia-sec bis Leuchtkastenfilm, alles Materialien, die für Aufträge aus der Werbefotografie vordefiniert waren wie auch der zielorientierte Erfahrungshorizont der Laboranten. Um diesem Dilemma zu entgehen, waren großformatige Fotografien in Schwarz-Weiß beliebt, die mit entsprechenden Geplansche noch per Hand in Blumenkästen entwickelt wurden.Die Möglichkeiten des Neuen Workflows sind dagegen viel umfangreicher und in ihrer Weiterentwicklung noch nicht überschaubar. Am vertrautesten ist die klassische Belichtung von der Datei auf Fotopapier, der sogenannte Lambda - Print, der die analoge Fotografie imitiert. Das fotografische Bild liegt in dem Papierträger, weich und etwas diffus, als käme das Bild vom Film, eine Hybrid-Technik. Die neue Printertechnik druckt dagegen auf die Oberfläche des Papiers, nutzt also die Erfahrungen der traditionellen Drucktechnik. Das Trägermaterial ist freier wählbar, die traditionellen Papierproduzenten kommen mit ihrem alten Know-how zum Zuge. Die Archivfestigkeit liegt teilweise über dem von Fotopapier. Mittlerweile ist "Fine Art Printing" bis zu Formaten DIN A2 mit Druckern möglich, die im Konsumerbereich liegen. Der Künstler kann also bis hin zum Ausstellungsformat selbst printen.Wenn man von dem Ideal des Malers ausgeht, der seine Farben selbst anmischt, den Malgrund bestimmt und jedes Detail variiert, so kommt der „Neue Workflow“ diesen Vorstellungen schon sehr nahe. In manchen Aspekten erinnert der neue Workflow an die ersten Jahrzehnte der Fotografie im 19. Jahrhundert. Der Fotograf stellte seine Negative mit eigener Chemie her und zog sie auf eigenem Fotopapier ab. Der Workflow war von Anfang bis Ende in einer Hand, in der des Künstlers. Er war autonom. Diese umfassende Verfügung über den Workflow ist ihm dank digitaler Aufzeichnung und Inkjetdruck wieder gegeben worden. Eine Phase der sehr engen industriell konfektionierten Fotografie ist zu Ende gegangen. Aber dies ist nur eine Übergangsphase, eine "open-closed"-Situation, in der Umbrüche und Experimente in einem kleinen Zeitfenster möglich sind. Denn schon immer prägten Standards, Vorbilder und Handlungsanleitungen das Medium Fotografie, so als wäre die fotografische Aufzeichnung zu abstrakt und bedürfe eines Schutzes-und Handlungsraums. 12.04.2007 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | > google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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