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  Der Aufstand der Flickr-Kunden - Seite 4


Diese System wurde nun durch „Inhaltsfilter“ ersetzt. Die Accounts der Nutzer werden als „unbedenklich (safe)“, „mittel (moderate)“ oder „eingeschränkt sicher (unsafe)“ kategorisert, die Nutzer sind aufgefordert, ihre potentiell anstößigen Fotos entsprechend einzustufen. Was haben wir uns darunter vorzustellen? Laut Flickr/Yahoo folgendes: „Kategorisieren Sie Ihre Bilder verantwortungsvoll. Bilder, die Sie nicht unbedingt Ihren Kindern, Ihrer Mutter oder Ihrem Onkel Erwin zeigen würden, müssen Sie in die entsprechende Kategorie einordnen. Stellen Sie sich beim Hochladen die Frage, ob dies auf Ihre Bilder zutrifft, und moderieren Sie die Bilder entsprechend. Wenn Sie dies unterlassen, behalten wir uns eine Überprüfung Ihres Accounts vor und moderieren oder löschen ihn gegebenenfalls.“ Das erklärt zwar die Kategorien nur unzureichend, läß aber ansonsten an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig.

Eine weitere Neuerung ist, daß jeder Nutzer die Möglichkeit hat, bei der Suche nach Bildern die beiden zuletzt genannten Kategorien auszublenden, so daß nur noch „unbedenkliche“ Bilder angezeigt werden. Jeder Nutzer? Hier liegt das Problem: „Wenn Sie eine Yahoo!-ID aus Singapur, Deutschland, Hong Kong oder Korea verwenden, können Sie aufgrund der dortigen Geschäftsbedingungen die sichere Suche nicht abschalten.“ Das heißt im Klartext, daß die Nutzer in den genannten Ländern nur eine Disney-kompatible Auswahl von Bildern zu sehen bekommen. Beim nicht mehr sichtbaren Teil der Bilder handelt es sich – das nur nebenbei für die Anhänger der Prüderie – keineswegs ausschließlich um Pornografie oder Erotik. Wer beispielsweise derzeit bei Flickr unter dem Stichwort „Iraq“ nach Bildern sucht, bekommt je nach Yahoo- ID eine recht unterschiedliche Anzahl von Fotos gezeigt; deutschen Nutzern werden mehr als dreitausend Stück vorenthalten. Wer da neugierig wird und sich die Mühe macht, mit einer zweiten, außerhalb Deutschlands registrierten Identität die fast hunderttausend Irak-Fotos durchzusehen, wird festellen, daß es sich beim unterschlagenen Teil wie zu erwarten nicht um aus dem Irak stammende Pornobildchen handelt, sondern um Fotos von Demonstrationen gegen den Krieg, die irgend jemand aus irgendeinem Grund als „bedenklich“ kategorisierte, oder um wenig appetitliche Fotos, die – vermutlich meist von nicht ganz linientreuen Angehörigen der US-Army dort eingestellt – bei Flickr ihre einzige Öffentlichkeit finden beziehungsweise fanden. Demselben Publikum, dem solche Bilder nun nicht mehr zugänglich sind, werden auch „bedenkliche“ Fotos säugender Mütter nicht mehr zugemutet. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

20.06.2007

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