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  Die wandelnde Unschuld - Seite 3


Von ebenso gemischter Güte wie die fotografischen Ironisierungen sind Michals‘ verbale Äußerungen. Er konfrontiert die Leser mit allerlei Aussagen, die eine Mischung aus lakonischen Statements, unbegründeten Behauptungen und persönlichen Beschimpfungen sind. Der Einzeiler „Never trust any photograph so large that it can only fit inside a museum“ ist prägnant und trifft einen zentralen Punkt in einer Zeit, in der nur noch gigantomanische Architektur ein akzeptbaler Größenmaßstab für Fotografien zu sein scheint. Die Aussage „Art is never boring. Andy Warhol was boring.“ ist dagegen nichts weiter als Ausdruck einer persönlichen Aversion. „Diane Arbus is authentic; Cindy Sherman is inauthentic.“ fällt in dieselbe Kategorie. Und über „Richard Prince is the new art royalty. Where is Robespierre when we really need him?“ möchte ich mich lieber nicht äußern, das könnte mir am Ende noch den Vorwurf der Humorlosigkeit eintragen.

How Photography Lost Its Virginity on the Way to the Bank geriet zu einem weitgehend witzlosen und wenig differenzierten Rundumschlag, der genauso gut What I Like and What I Don‘t Like in Contemporary Art for No Particular Reason hätte heißen können. Selbst der auf den ersten Blick witzige Titel des Buchs entpuppt sich nach kurzem Nachdenken als Eigentor – denn ist seine Jungfräulichkeit zu verlieren nicht eine Begleiterscheinung des Erwachsenwerdens? Worum es dem Autor letztlich geht, erfahren wir, wenn er uns einen Blick in seinen persönlichen Himmel der Fotografie gewährt, den neben unbestrittenen Meistern auch Meister der gediegenen Langeweile bevölkern. Beim Betrachten dieser recht unbeholfenen Collagen verliert auch die Frage „Why walk when you can dance?“ viel von ihrer Brisanz, da offensichtlich wird, daß dem Fragenden das Tanzen nicht so ganz liegt. Daß ein paar Tänzer und deren Agenten auch noch recht gut bezahlt werden, scheint ihm unerträglich.

Sollte dieses Buch durch eine Laune des Schicksals Duane Michals‘ letztes Wort zur Fotografie gewesen sein, hätte er sich keinen großen Gefallen getan. Sein Abgesang auf die Kunst der Gegenwart erinnert an das Lamento eines Kinopianisten angesichts des Erfolgs des Tonfilms, der nur zu einem folgerichtigen Schluß kommen kann: Tonfilm ist Kitsch!

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09.07.2007

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