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  Sieben stolze Schwestern am Ostseestrand - Fotobücher „neu gelesen“, Folge 1
von Thomas Wiegand

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Vor fast 50 Jahren fand in Rostock ein Treffen von Vertretern von Ostseeanrainerstaaten statt. Aus Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland, der Sowjetunion, aus Polen und aus der DDR, aber auch aus der BRD (sowie aus Island!), reisten Delegationen zur Ostseewoche 1959 an. Die Ostseewoche Rostock war als eine Art Gegengewicht zur Kieler Woche konzipiert; sie fand erstmals 1958 und letztmals 1975 statt.

Zur Erinnerung an die zweite Ausgabe dieses Kultur- und Sportfestivals erschien 1960 ein bemerkenswertes Buch mit dem poetischen Titel „Sieben stolze, wundervolle Schwestern küsst das eine Meer“ im Rostocker Hinstorff-Verlag. Die Poesie des Titels lässt bereits die harten politischen Realitäten durchscheinen: unter den sieben wundervollen Schwestern ist nur eine deutsche dabei, und zwar die mit dem Hammer und der Sichel in der Flagge. Auf dem Schutzumschlag werden sieben Nationalflaggen gezeigt, die schwarzrotgoldene ohne Emblem fehlt, ist aber auf Seite 124 zu sehen, wo sie in einem Festzug mitgeführt wurde. Denn es waren auch Gäste aus Westdeutschland zugegen, als Einzelpersonen selbstverständlich liebe, nette Leute, nur schade, dass sie im falschen Deutschland lebten. Wolfgang Böhme, der Textautor, ließ einen (erfundenen?) Journalisten aus Hannover auftreten, um die Gegenwart der Westdeutschen im Rostocker Jugendlager in lockerem Tonfall zu erklären. Ein namenloser Hamburger Elektroschweißer lobt Organisation und Verpflegung und hat nur ein paar kritische Worte für die Musik: „Nur Rock´n Roll ist verpönt. Schade! Ist doch nichts dabei! Zwar hat ihn uns niemand verboten, aber den Jungen und Mädchen aus Finnland vor allem gefällt er nicht“ (S.55). Und zur politischen Lage sagt der Hamburger Gast: „Ehe wir fuhren, hatten sie uns gesagt: Geht um Gottes Willen nicht nach drüben, da verhaften sie euch. So ein Quatsch! Natürlich gefällt uns manches nicht, aber das sagen wir laut und deutlich, und es hat schon viele Diskussionen gegeben…“ Weltbild und Story des Journalisten sei ins Wanken geraten; ob er den Namen des
05.08.2007

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