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Sieben stolze Schwestern am Ostseestrand - Fotobücher "neu gelesen", Folge 1 - Seite 2 Zur Erinnerung an die zweite Ausgabe dieses Kultur- und Sportfestivals erschien 1960 ein bemerkenswertes Buch mit dem poetischen Titel „Sieben stolze, wundervolle Schwestern küsst das eine Meer“ im Rostocker Hinstorff-Verlag. Die Poesie des Titels lässt bereits die harten politischen Realitäten durchscheinen: unter den sieben wundervollen Schwestern ist nur eine deutsche dabei, und zwar die mit dem Hammer und der Sichel in der Flagge. Auf dem Schutzumschlag werden sieben Nationalflaggen gezeigt, die schwarzrotgoldene ohne Emblem fehlt, ist aber auf Seite 124 zu sehen, wo sie in einem Festzug mitgeführt wurde. Denn es waren auch Gäste aus Westdeutschland zugegen, als Einzelpersonen selbstverständlich liebe, nette Leute, nur schade, dass sie im falschen Deutschland lebten. Wolfgang Böhme, der Textautor, ließ einen (erfundenen?) Journalisten aus Hannover auftreten, um die Gegenwart der Westdeutschen im Rostocker Jugendlager in lockerem Tonfall zu erklären. Ein namenloser Hamburger Elektroschweißer lobt Organisation und Verpflegung und hat nur ein paar kritische Worte für die Musik: „Nur Rock´n Roll ist verpönt. Schade! Ist doch nichts dabei! Zwar hat ihn uns niemand verboten, aber den Jungen und Mädchen aus Finnland vor allem gefällt er nicht“ (S.55). Und zur politischen Lage sagt der Hamburger Gast: „Ehe wir fuhren, hatten sie uns gesagt: Geht um Gottes Willen nicht nach drüben, da verhaften sie euch. So ein Quatsch! Natürlich gefällt uns manches nicht, aber das sagen wir laut und deutlich, und es hat schon viele Diskussionen gegeben…“ Weltbild und Story des Journalisten sei ins Wanken geraten; ob er den Namen des Hamburgers nennen dürfe: „Dann einstimmige Ablehnung. Es könnte Schwierigkeiten geben…“ (S.56). Der westdeutsche Gast habe aber doch viel gelernt, zum Beispiel, dass es in der DDR keine Wehrpflicht gebe - er könne aber leider im nächsten Jahr nicht wiederkommen, denn dann werde er ja zur Bundeswehr eingezogen (S.56). Auf einer Kundgebung wurde Walter Ulbricht deutlicher: „Besorgnis und Empörung, aber auch Entschlossenheit spiegelte sich auf den Gesichtern wider, als er [= Ulbricht] von der Bedrohung der Ostsee durch die militärischen Kreise Westdeutschlands sprach“ (S.31). Die Richtung der Texte im Buch ist also eindeutig - manifestiert sich dies auch in den Bildern und in der Gestaltung? Das Buch ist folgendermaßen gegliedert: Nach einem mit kleinen Wogenfotos bedruckten Vorsatz und der Titelei, für die das Meeresmotiv fortgesetzt wird, folgt die leere Seite 4, der eine ganzseitige stimmungsvolle Gegenlichtaufnahme des Meeres gegenübersteht. Dann ein Gedicht, nochmals ein Brandungsbild auf Seite 8 und dann beginnt das zweite Kapitel mit einem ersten Stimmungsbericht über die Ostseewoche. Das schöne, alte Rostock wird vorgestellt, Altstadtflair mit dekorativen Giebeln, davor parken moderne Reisebusse. Man reist an, willkommen! Fahnen werden aufgehängt, die Stadt zeigt sich von der besten Seite. Höhepunkt des zweiten Kapitels sind zwei Doppelseiten der Eröffnungskundgebung. Weitere Kapitel behandeln das internationale Miteinander, die Rostocker Wirtschaft (Hafen, Werften), das Jugendlager und die zugehörigen Aktivitäten, das Kulturprogramm, die Regatta, das Sportfest, Völkerfreundschaft und Gewerbeausstellung, die Abreise per Schiff. Ganz am Schluss gibt es noch eine nach Tagen geordnete Programmübersicht. 05.08.2007 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | > Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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