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Sieben stolze Schwestern am Ostseestrand - Fotobücher "neu gelesen", Folge 1 - Seite 4 Heinz Bormann arbeitete neben der inhaltlich gewichtenden Gestaltung durch die Verteilung der Motive noch mit einem zweiten Stilmittel, der Wiederholung von Bildern und Bildausschnitten. Auf Seite 40 und 41 taucht ein und derselbe Werftarbeiter einmal im Gespräch auf, das andere Mal im engeren Ausschnitt und in die entgegengesetzte Richtung blickend. Es handelt sich in beiden Fällen um ein und dasselbe Foto! Der Fotograf mit der zweiäugigen Spiegelreflex wird auf den Seiten 58, 60 und 61 insgesamt vier Mal gezeigt, immer in anderen Ausschnitten von einem einzigen Negativ. Auch sein Motiv auf Seite 58, ein lesendes Pärchen in Rückenansicht, wird einzeln gezeigt, sodass diese Seite durch Wiederholung und Dekonstruktion eine Verdichtung der Aussage erreicht (freundliche jungen Menschen waren da, es wurden Erinnerungen fotografisch festgehalten). Das Fotografenbild auf den Seiten 60 und 61 ist mit zwei entzückenden Rücken bei einem Bootsausflug und mit einem Strandstillleben kombiniert. Andere Beispiele: Der Rock´n Roller von Seite 66 wird nicht nur gekontert, sondern kehrt auch auf den Seiten 69 und 70 wieder, der Mann am Scheinwerfer von Seite 71 zweimal auf Seite 73. Diese Art der Montage erinnert an einen Film, in dem mit Schnitt und Gegenschnitt Räume und zeitliche Abfolgen hergestellt werden. Bormanns luftiges Layout schafft Leben und Leichtigkeit; die Wiederholungen werden im Sinne einer filmischen Montage eingesetzt. Das Buch und sein Layout transportiert auf diese Weise genau das, was der Text als den Geist der Rostocker Ostseewoche 1959 beschreibt, nämlich eine lebendige, quirlige Atmosphäre des friedlichen Miteinander. Die Fotos hatten sich ganz den Wünschen des Layouters unterzuordnen. Es gibt einige an der Bauhausmoderne orientierte Aufnahmen, wie die des Bauarbeiters auf Seite 52, oder surreale Szenerien wie die Reihung der abgestellten Blasinstrumente auf Seite 105, der Riesenball auf Seite 107 und der schwebende Traktor auf Seite 129, doch überwiegt eine eher konventionelle, wenn auch moderne Bildsprache. Erst die Zusammfassung der Fotos im Layout des Buches machte aus irgendwelchen Einzelaufnahmen einen Film zum Blättern, der auch ohne Lektüre der streng auf Linie geschriebenen Texte funktioniert. Rostock war schön, friedlich, Rostock hat viel aufgebaut, hat viel geleistet, weiter so! Die DDR zeigte sich von ihrer besten Seite: modern, weltoffen, tolerant, friedliebend. Ein konventionell gestaltetes Buch wäre kontraproduktiv gewesen. 05.08.2007 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | > Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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