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Heinz Ohff - Kunstkritiker des erloschenen Berlin-West - Seite 2 Schon bei der Eröffnung der Ausstellung in der Akademie stießen die Besucher auf einen Protest, der sich freilich nicht gegen die ausgebreiteten Gegenstände wandte, sondern, im Gegenteil, eher im Stile der Pop–Art gehalten war. Da standen zwei junge Leute mit einer Gasmaske und stellten per Plakat und Handzettel die Preisfrage, wie viele deutsche Realisten denn dort fehlen. Für die Beantwortung hat die Galerie René Block sogar Preise ausgesetzt, bezeichnenderweise erst als Trostpreis die Graphik eines jener Propheten, die bekanntlich in ihrem Vaterland nur wenig gelten. In den Kellerräumen der Frobenstraße 18 steht dann auch einer dieser in der Akademie übersehenen deutschen Realisten zur Debatte, der sich ohne weiteres neben den Amerikanern, Franzosen, Holländern und Italienern sehen lassen kann. Gerhard Richter, der in Dresden bei den "sozialistischen Realisten" das Malen erlernte und der nun, in Düsseldorf, seine Arbeiten als "kapitalistischen Realismus" bezeichnet, ergänzt das neu hervortretende Gegenständliche sogar durch einen besonders interessanten Aspekt, gewissermaßen einen west–östlichen. Er malt banale Alltagsszenen – Familienbilder, Urlaubsphotos von den Pyramiden, Porträts, unter anderem eines vom documenta– Professor Arnold Bode – und verfremdet sie, indem er mit trockenem Pinsel die zumeist schwarz–weißen Gegenstände ein wenig verwischt. Der Effekt ist verblüffend: Dieser Realismus erinnert an den Realismus flimmernder Fernseh–Mattscheiben, an die irrelevante und rasch verblassende Wirklichkeit gestellter Erinnerungsphotos, an die schlechten Drucke ineilig hergestellten Reiseführern, kurzum, an jenes Bild, mit dem wir heutzutage am meisten in Berührung kommen, das verwischte, degradierte, zum Massenprodukt entartete Bild. Richter holt es mit kräftigem Zugriffzurück in die Malerei; er kann mit dem Pinsel besser "photographieren" als die meisten Photographen mit dem Photoapparat, er enthüllt und entlarvt und reißt dem Kommerz wieder etwas aus der Hand, was seiner Meinung nach dem Maler allein gehört: Die Figur und den Gegenstand. Muß man dies zur "Pop–Art" rechnen? Vielleicht. Ein neuer Realismus ist es bestimmt. 25.08.2007 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | > google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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