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  Allan Porter und "camera" - ein Gespräch mit Nadine Olonetzky - Seite 5


Nadine Olonetzky: Sowohl als auch. Die Ausgaben wiederspiegeln natürlich den Geist der Zeit, in der sie entstanden. Die Grafik der Hefte wirkt zuweilen geschmäcklerisch und veraltet, doch manche Hefte haben – auch durch das Revival der 1970er-Jahre-Ästhetik – auch Charme. Aber einmal abgesehen von denjenigen Heften, in denen Allan Porter historische Fotografie zum Thema machte und die ich teilweise noch immer sehr inspirierend zusammengestellt finde, sind aber gerade die Nummern mit damals neuer Kunstfotografie auch aus heutiger Sicht noch immer interessant. Ja, ich persönlich finde sie sogar dann interessant, wenn die Fotografie heute nicht mehr bestehen kann.Denn
Allan Porter als neugieriger und experimentierfreudiger Redakteur,
der offen ist für Neues, begeisterte sich eben auch einmal für eine Arbeit, die ihm im Moment vielleicht stimmig erschienen ist, aber nach zehn, zwanzig Jahren nicht mehr hält, was sie einmal versprach zu sein. So vermitteln die Hefte nicht nur seine persönlichen Vorlieben, sondern auch den Geschmack der Zeit. Die monographischen Hefte über Josef Koudelka, Mark Cohen, William Klein, Lisette Model erzählen jedoch zeitgenössische Foto-Geschichte; ebenfalls die Ausgaben «Auf der Suche eines neuen Sehens» (12/1971) mit Bildern von Les Krims und Duane Michals oder die Hefte «Eineandere Dimension» (1/1971) und «Sequences» (10/1972) mit Aufnahmen von Christian Vogt,Oliviero Toscani und Ulrich Mack. Besonders schön finde ich die Ausgabe «Ultra Banalität» (8/1970) mit Bildern von John Gossage, Christian Vogt und einer Aufnahme von Balthasar Burkhard/Markus Raetz.

Thomas Leuner: Was mich die ganze Zeit bei dem Thema «camera» beschäftigt, ist die Frage: Wenn ich jetzt Andreas Gursky anrufe und sage:“ Hallo Andreas, hast Du «camera» gekannt, war sie für dich wichtig?“ Und? Ich vermute, die Antwort wäre „ja“, die Bechers haben sie im Unterricht benutzt. Also: Welche Wirkung und Bedeutung hatte «camera» für die heutige zeitgenössische Fotografie? Wenn ich von der These ausgehe, dass alle, die sich in den 70er und 80er Jahren mit Fotografie beschäftigt haben, «camera» lasen. Gibt es dazu irgend welche Erkenntnisse?

03.03.2008

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