www.fotokritik.de Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst |
||||||
| |
||||||
|
Eine kurze Geschichte der Fotozeitschrift «camera» von Nadine Olonetzky - Seite 3 Die grafische Gestaltung der Zeitschrift wird von ihrer Gründung 1922 bis zu ihrem Ende 1981 mehrfach modifiziert; Typographie und Layout der Bilder offenbaren den jeweiligen Zeitgeist. In den langen Jahren von Adolf Herz’ Redaktionszeit, die mit seinem Tod im Februar 1947 endet, bleibt das Heft mehrheitlich dem so genannten Piktorialismus verhaftet, einer an der Malerei des 19. Jahrhunderts und speziell am Impressionismus orientierten, künstlerischen Fotografie. Wichtige neue fotografische Strömungen wie die Fotografie der 20 und 30er Jahre, bekannt unter dem Begriff des Neuen Sehens – die fotografische Version der Neuen Sachlichkeit –, oder der sich rasch entwickelnde Fotojournalismus finden nicht so stark Eingang in das Heft, wie sie es verdient hätten. Es ist jedoch das gute Recht jedes Redaktors, das Heft, das er produziert, mit seiner ganzen Persönlichkeit zu gestalten und zu prägen, und das heisst auch, Vorlieben und Abneigungen mit einfliessen zu lassen. Die späteren Redaktoren und Chefredaktoren von «camera» haben das nicht anders getan. Das Heft als Kreuzung fotografischer Strömungen Während also ab 1941 die Kulturzeitschrift «du» und bereits zuvor die «Zürcher Illustrierte» dokumentarfotografische Arbeiten und Reportagen zeigen und damit zeitgemässer auftreten, beginnt sich bei «camera» erst in den letzten beiden Jahren vor Adolf Herz’ Tod die Palette der Bildsprachen zu öffnen, etwa mit der freien Mitarbeit des Gründers der «Weltwoche» und «du»-Redaktors Manuel Gasser (1909-1979). Einen eigentlichen Aufschwung erlebt «camera» jedoch mit dem neuen Chefredaktor Walter Läubli (1902-1990), ursprünglich Grafiker und Maler, dann auch Fotograf und weit gereister, weltoffener Geist. Er lässt einzelne Texte ins Englische und Französische übersetzen, bringt Bildbeiträge Schweizer Fotografen wie Jakob Tuggener (1904-1988) oder Gotthard Schuh (1897-1969) und international wichtiger Fotografen wie Robert Capa (1913-1954) und Bill Brandt (1904-1983). 1949 erscheint eine Ausgabe mit frühen Bildern von Robert Frank. Läublis «camera» ist für die Nachkriegsfotografie eine der wichtigsten Plattformen. Mit seinen 40 verantworteten Ausgaben verschafft Walter Läubli dem Heft einen «ersten, überraschenden und unvermittelten Höhepunkt in der Geschichte der ‹camera›», wie Niklaus Flüeler in seinem Katalogbeitrag zur Ausstellung über «camera» schreibt, die der Mitbegründer und langjährige Direktor der Schweizerischen Stiftung für die Photographie – heute Fotostiftung Schweiz –, Walter Binder mit Allan Porter, dem letzten Chefredaktor von «camera», 1991 im Kunsthaus Zürich realisiert. 03.01.2008 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | > Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Druckversion |
![]() Editorial Autoren Forum Newsletter Mitarbeit Kontakt Impressum |