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  Eine kurze Geschichte der Fotozeitschrift «camera» von Nadine Olonetzky - Seite 6


«camera» als internationale Plattform

Romeo E. Martinez, in Paris und Luzern lebend und international mit zahllosen Fotografen und Fotografinnen befreundet, bringt dem Heft nun auch eine Professionalisierung, was die Bildauswahl und -betrachtung betrifft. Ähnlich wie später Allan Porter verfügt Romeo E. Martinez über ein grosses Wissen, was Fotografie und Fotogeschichte betrifft, und eine Leidenschaftlichkeit im Umgang mit Bildern, die selten ist. Er vertraut auf die emotionale Wirkung der Fotografie und ist überzeugt, mit der richtigen Auswahl und dem entsprechenden Layout der Leserschaft auch vermitteln zu können, worum es dem Fotografen oder der Fotografin bei ihrer Arbeit geht: «Über die Bildinhalte und ihre möglichen Aussagen hinaus», so Niklaus Flüeler, «sollten die Aufnahmen in der Art ihrer Präsentation und aufgrund der Auswahl zugleich verraten, wes Geistes Kind der Photograph, die Photographin selber ist, wie er oder sie denkt, fühlt, wo sie politisch, menschlich, herkunfts- und bildungsmässig stehen, wie sie ausgerechnet zur Photographie kamen und warum sie davon nicht mehr loskommen.» Unter seiner Chefredaktion erscheinen Hefte mit Fotografien von Inge Morath (1923-2002) und René Burri (*1933), Robert Doisneau (1912-1994) und erneut Robert Frank, von Gotthard Schuh, Edward Weston (1886-1958) und Aufnahmen des Magnum-Fotografen David ‹Chim› Seymour (1911-1956) oder von Richard Avedon. Sozusagen fotografische Minderheiten werden 1958 im Heft «Die Frau als Photograph» thematisiert und in der Nummer 1/1960, in der die afroamerikanische Sichtweise durch Arbeiten von Gordon Parks (1912-2006) präsentiert wird, des ersten schwarzen Fotografen und Filmregisseurs, der international Beachtung findet. In diesem Heft, in dem mit schwarzweissen und farbigen Fotoessays, Reportagen und Modefotografien verschiedene Bildsprachen zusammengestellt sind, werden der Leserschaft auch Rubriken wie die «Photo-Nachrichten», das «Photo-Lexikon» und der «camera test» geboten, hier etwa der Kamera Minox B, einer der besten Kleinstbildkameras der damaligen Zeit. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die Zeitschrift zu dieser Zeit bereits in 35 Ländern abonniert werden kann: in Deutschland, England, Frankreich und den USA sowieso, aber auch in Griechenland, Uruguay, Cuba, Indien oder dem damaligen Ceylon. Der auf die USA spezialisierte Redaktor Lew Parella steuert Beiträge amerikanischer Fotografen bei. Sicher ist nicht jede Ausgabe in den Jahren von Romeo E. Martinez’ Chefredaktion gleich gut gelungen, doch erlebt die Zeitschrift durch die publizierte Fotografie und wegen ihrer Beiträge zu technischen und gestalterischen Themen eine zweite Blütezeit.

03.01.2008

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