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  Dirk Alvermann, Keine Experimente - Fotobücher "neu gelesen", Folge 2 - Seite 3


Seit er sich 1977 mit „21 erfundenen Geschichten über ein Leben“ unter dem Titel „Ende eines Märchens“ halb-autobiographisch zu Wort gemeldet hatte und er 1983 ein Kinderbuch geschrieben hatte (mit Illustrationen von Johannes K. G. Niedlich), gab es von Alvermann nur noch schrift- stellerische Arbeiten zu lesen. Keine Ausnahme war die „Gadebuscher Novelle“ (2002), eine Zusammenstellung von über 400 in den 1950er-Jahren entstandenen Aufnahmen des Pressefotografen Willy Seeger, die durch den immer passenden Text von Alvermann und Peter Möller sowie das deutlich von Alvermann geprägte schnörkellose Layout im Fluss gehalten werden. So unprätentiös und mit einfachsten Mitteln lässt sich regionale Alltagsgeschichte darstellen - abseits der Hochglanz- ästhetik verlegerischer Dutzendkonzepte und mit der Absicht, heimatkundliche Stereotypen tunlichst zu vermeiden.
2006 erschien nochmals ein Buch über Alvermanns Arbeit als Fotograf - der in die drei Kapitel Morgen, Mittag und Abend gegliederte Bildband „Zwischen den Zeiten“ mit 208 Fotos, die zwischen 1956 und 1978 entstanden sind und die die in diesen Jahren liegenden Stationen in Alvermanns Leben illustrieren. Als Reporter stand er Willy Brandt, Kurt Georg Kiesinger und Franz-Josef Strauß gegenüber, er fotografiere Ulrike Meinhof, Wolf Biermann und Wolfgang Neuss, aber auch sehr private Szenen höchster Intimität... Er war in Spanien, Algerien, Polen, Albanien und im Düsseldorfer Karneval unterwegs, aber auch in Berlin und im Irgendwo der deutschen Provinz. Sein Augenmerk galt immer den Menschen, zu denen er als Fotograf ein faires Verhältnis anstrebte. Bilder wurden nicht geraubt, sondern in einem würdigen Miteinander hergestellt: „Das Motiv ist kein Freiwild mehr“ (Alvermann in trajekt 1970, S.20). Seine Fotos waren eigentlich für die Zeit gemacht, in der sie aufgenommen wurden. Gegen Ausstellungen war und ist Alvermann skeptisch eingestellt; es ging und geht ihm ja um unmittelbare Fotografie, nicht um Kunst für leere weiße Wände. Aufgrund seines Interesses am Film waren Alvermanns Fotos eher für das Zusammentragen und Zusammenwirken in Büchern gemacht und weniger als Einzelillustration oder für Ausstellungen. Bücher gaben dem Fotografen die Freiheit, das Layout - also Auswahl, Abfolge, Größe, Ausschnitte, Texte - selbst festzulegen. Die Bücher „Algerien“, „Keine Experimente“ und „Ich liebe Dich“ wurden dementsprechend von Alvermann selbst gestaltet; bei „Eine Handvoll Glück“ und dem Rostock-Bildband kam es zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Layouter Rudolf Grüttner.

21.01.2008

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