www.fotokritik.de Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst |
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Blättern in "camera" - Anmerkungen zum Bild-Blog - Seite 4 Der Zugriff auf historische Fotografie des 19. Jahrhunderts lässt sich aus dem Heft Nr.6/Juni 1979 ablesen. Die redaktionelle Auswahl der Bilder betont die geschichtliche Narration, den nicht überbrückbaren Graben zur heutigen Bildwelt. Dabei zeigt sich die Daguerreotype als das kongeniale bildnerische Mess- und Bildverfahren, mit dem die visuellen Fremdheiten der Epoche in Kleidung, Gebärde und Physiognomie darstellbar sind. Sie tritt in ein produktives Spannungsverhältnis zu dem Fundus an Fantasien, die der Betrachter bei der Lektüre der Literatur des 19. Jahrhunderts entwickelt hat. Der Weg über die Daguerreotype in die frühe Fotografie ist nicht mehr zeitgemäß, ihm haftet der Makel des Historismus an. Die große aktuelle Vorliebe gilt der Fotografie auf Papier (Abzüge), die wegen des Fehlens technischer Möglichkeiten unscharf, überstrahlt und skizzenhaft wirkt und eine ideale Projektionsfläche für mythische Verklärung und archaische Romantik liefert. In dieser Vorliebe spiegelt sich die Stagnation der Rezeption des Mediums wieder, es wird, verunsichert durch die Flut des Digitalen, der malerähnlichen Kunst der Vortritt gelassen. Deutlich ist diese neokonservative Haltung an der Fotosammlung Heiner Bastians abzulesen, deren Titel „Fragmente der Melancholie" ideologisches Programm ist. (Katalog bei Hatje-Cantz, 2007). Wie dieser Trend auch für die zeitgenössische Fotografie behauptet wird. „Kontinuität der Irritation“ heißt das bei Andrea Gnam in der NZZ vom 3./4. März 2007. „Aller technischer Inno-vationen zum Trotz wirkt die Fotografie unserer Tage wie aus einer anderen Zeit“. Bezeugen sollen dies: Chuck Close, Elger Esser, Hiroshi Sugimoto, Joel-Peter Witkin, Cindy Sherman und andere. www.nzz.ch/2007/03/03/li/articleEXVSC.html Man sieht, kaum blättert man in einigen „camera“- Heften, so steht man schon mitten in der Diskussion über die zeitgenössische Kunstfoto-grafie. Denn schnell wird deutlich, dass das Konvolut der„camera“- Hefte das Bildkompendium über die Kunstfotografie des 20. Jahrhunderts ist. Über das rein Archivarische hinaus wird auch eine eigenständige mediale Kunsttradition für Fotografie formuliert, die zwischen der traditionellen Fotogeschichte und der Deutung als gegenständliche Malerei durch die Kunstwissenschaften steht. Parameter ist die Aktualität der Fragestellungen. Wie die drei Beispiele des Bild-Blogs zeigen, arbeitet „camera“ direkt am Medium und an den damit arbeitenden Künstlern, was die Kontinuität der Fragestellungen bis heute garantiert. Ganz im Gegensatz zum öffentlichen Diskurs, der sich „über die Fotografie“ hermacht und die Fotografie als exis-tierendes zeitgenössisches Medium ausklammert. Hier zeigt sich die besondere Qualität der 60 Jahrgänge „camera“. 02.03.2008 < | 1 | 2 | 3 | 4 Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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