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Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst
 
   

 
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  "Berlin-Surfen" (Mai 2008) – mit Bild-Blog - Seite 5


Viel zeitgenössischer kommt die Fotografie daher, wenn sie in die bildnerische und künstlerische Strategie eingebunden ist. Es wird noch mit neuen medialen Möglichkeiten experimentiert. In „Von Schafen und Wölfen“ von Deborah Sengl, Galerie Deschler (Bild Nr. 16) hat der Fotograf, Ingo Pertramer, eine eigene künstlerische Position, die sich nicht damit begnügt, die Installation nur abzubilden. Lois Renner mit „True Romance“, Galerie Kuckei + Kuckei (Bild Nr. 17) malt zitierend, das Endprodukt ist das fotografische Repro, digital nochmals bearbeitet, das klassische „Ekta“ wird Print-Vorlage. Durch die Weiterentwicklung der fotografischen Oberflächen (Druck und Papier) können zeichnerische/malerische Elemente enger mit der fotografischen Unterlage verwoben werden, es tritt eine Verschmelzung ein. Sebastiaan Bremer, „Still Life with Shark on the Bosporus“, Galerie Barbara Thumm (Bild Nr. 18).

Etwas irritierend klingt „Cicero – Galerie für Politische Fotografie“. Träger der Galerie ist die Zeitschrift „Cicero“ und mit „politisch“ ist hier nur der anspruchsvolle Fotojournalismus gemeint. Aber das ist die Plattform, auf der reüssiert werden soll. Martin Parr und Magnum-Fotografie haben das vorgemacht. Die Bilder werden in der Galerie verkauft und das Material als Fotobuch promotet. Daher sind der Steidl -Verlag und das Vorwort von Günter Grass optimale Bedingungen für „Die Romareise“ 2000-06 von Joakim Eskildsen. Das Ergebnis ist ein Gutmensch-Opus auf hohem Niveau. Die Roma sind nach Ländern geordnet (sic!) in einer Flut von Portrait- und Situationsszenarien. Da die Arbeit „Kraft und Würde“ der Roma darstellen soll – natürlich ohne Klischee –, legt sich ein rosaroter Schleier über das Bild-Epos, der das eindrucksvolle Talent Joakim Esklidsens verstellt. Die Ausstellung selbst lässt dies noch nicht einmal erahnen. Es bleibt nur noch Illustrationsfotografie und die schöne neue „Attac-Welt“. Wenn man solch eindrückliche Arbeiten wie „Gypsies" von Josef Kudelka (1975) kennt, ist Ratlosigkeit angesagt. Die traditionelle Bild= Bildungsfeindlichkeit des Pressewesens ist ja hinlänglich bekannt, scheint aber teilweise selbstzerstörerische Züge zu tragen.

Die neue gegründete „Pool Gallery“ zeigt einen weiteren Strang der aktuellen Fotografie-Vermittlung, das Grooven im Pop-Bereich mit und durch junge Künstler. So unterschiedlich die Ergebnisse, so bleibt der Charme der Findungszeit, Amy Stein mit „New American Faibles“ (Bild Nr. 20). Nun, man weiß vom legendären Projekt „Amerika“ in der Brunnenstraße, dass dies nur temporäre Zustände sind.

10.06.2008

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