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  Gespräch: kontrovers - Fragen an Thomas Seelig, Sammlungskurator am Fotomuseum Winterthur - Seite 11


Thomas Seelig
Seit geraumer Zeit habe ich Sanna Kannisto und Jochen Lempert verfolgt, teils in Ausstellungen, teils in Publikationen. Joachim Koester interessierte mich schon lange von seiner Herangehensweise, bei ähnlichen Themen jeweils zu anderen Ausformungen zu kommen. Während der Vorbereitung lernte ich Walid Raads Positionen schätzen, je länger je mehr. Beim konkreten Platzieren kam mir dann die Idee, Costa Vece und Ana Torf jeweils einen eigenen Raum zu geben, von Kristleifur Björnssons riesigen Collagen nur wenige, diese aber pointiert zu zeigen und Pierre Bismuths auratische Werke wie gedankliche Satzzeichen (Punkt, Ruf- oder Fragezeichen) einzusetzen. Ana Torfs Dia-Installation hatte ich vor Jahren in einer Veröffentlichung in einem belgischen Kunstmagazin gesehen. Nachdem ich ihre Adresse herausbekommen hatte, nahm ich Kontakt mit ihr auf. Das Dossier lag dann einige Monate auf meinem Schreibtisch. Es gibt aber auch andere Wege. Urs Stahel hat mich im Hinblick auf die Ausstellung auf Costa Vece aufmerksam gemacht. Seine Werkgruppe „Dark Days“ hatte ich im Vorfeld nicht im Original gesehen, sondern immer nur in Abbildungen. Für Costa war es aber auch eine Ausstellungs-premiere, da die gesamte Arbeit bis dahin nur in einer Publikation veröffentlicht wurde.

Th. L.
Das klingt sehr intuitiv und zufällig. Gibt es für das Fotomuseum Winterthur ein Konzept für eine systematische Recherche und Information über die aktuelle Fotografie- und Kunstszene?

Thomas Seelig
Das kann ich nur generell beantworten, da ich die verworfenen und nicht berücksichtigten Positionen nicht aufführen möchte. Grundsätzlich gehe ich jeder Arbeit nach, soweit sie mir interessant erscheint. Angeregt durch Ausstellungsbesuche, Publikationen, Einladungskarten, Homepages oder Newsletter verdichtet sich mit der Zeit „das“ oder „mein“ Bild zur Fotografie- und Kunstszene. Für andere Ausstellungen wie zum Beispiel Reale Fantasien, ein Überblick aktueller Tendenzen in der Schweizer Fotografie, haben Urs Stahel und ich den Rat von anderen Kuratoren, Fotografen, Hochschul-lehrern und Redakteuren in der Schweiz gesucht. Es wäre doch vermessen zu behaupten, man kenne alles. Im gleichen Kontext kann man auch unsere jährlich stattfindenden Plat(torm-Präsentationen sehen, die jeweils am letzten Januarwochenende stattfinden. Wir schauen bei dieser Veranstaltung sehr früh auf internationale Talente und verfolgen deren künstlerischen Weg über Jahre hinweg.

24.06.2008

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