www.fotokritik.de Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst |
||||||
| |
||||||
|
Gespräch: kontrovers - Fragen an Thomas Seelig, Sammlungskurator am Fotomuseum Winterthur - Seite 4 Th. L. Dein erster Befund ist die „Kleinindustrie Kunstfotografie" und die Frage, ob man sich dieser Konstanten als Künstler entziehen kann. Das ist wohl als Kritik von Dir am derzeitigen „mainstream“ gemeint. Sind nicht die Froschstudien von Sanna Kannisto aus der Helsinki School in Forschen und Erfinden ein Beispiel für diese Anpassung? Ebenfalls in eine kritische Richtung zielt Deine Anmerkung zu den „gereinigten Bildern“. Hier benutzt Du den Begriff „über-arbeitet“, wobei dieser Begriff auch aus der Malerei stammen könnte. Es bezeichnet dort ein Bild, das „über-malt“ wurde, also durch zu langes Weitermalen verschlechtert und im Ergebnis als “vermaltes“ Bild gescheitert ist. Der neuen Technik des Inkjet-Prints sprichst Du eine andere Ästhetik zu: Härte und hohe Kontraste. Die interessante Frage ist dann, ob diese neue Ästhetik auch mit neuen Inhalten gefüllt wird. Von einer ganz anderen Richtung her argumentierst Du, wenn Du der künstlerischen Fotografie ein extrem ausgeprägtes Verlangen nach Abgrenzung attestiert. Damit sind wohl von Dir die Abgrenzungs-bedürfnisse der Künstler untereinander gemeint. Man hat einen Stil, eine „Handschrift“ und jeder andere, der diese benutzt, macht nur noch Plagiate. Hier bietet Deiner Meinung nach die fotografische Technik zu wenig Spielraum. Bedeutsam scheint mir noch das Thema "Barytpapier", da hinter diesem technischen Begriff eine foto-grafische Kultur steht, die Tradition des "fine prints". Ob dahin die Schwärme von Jochen Lempert in korschen und Erfinden gehören, erscheint mir fraglich. Die von ihm gemachten Abzüge sind Arbeiten auf Dokumentenpapier, also mit einer Anmutung eines Fotos auf Schreibmaschinenpapier. Natürlich gibt es auch für dieses Genre eine längere Tradition. „Eine Art anarchisches Aufbegehren“ kann man wohl nicht mehr darin finden. Unabhängig von diesen interessanten Einzelfragen, denen ich hier nicht weiter nachgehen möchte, erstaunt doch Deine kritische Haltung gegenüber der zeitgenössischen Fotografie. Bisher bin ich gewohnt, dass die Generation der altgedienten Fotokuratoren eine Diskussion über die Qualität der zeitgenössischen Fotografie vermeidet. Was treibt Dich da als Kurator an? 24.06.2008 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | > google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
![]() Editorial Autoren Forum Newsletter Mitarbeit Kontakt Impressum |