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  Gespräch: kontrovers - Fragen an Thomas Seelig, Sammlungskurator am Fotomuseum Winterthur - Seite 6


Th. L.
Bleiben wir bei Forschen und Erfinden. Was Du lediglich als „Technik“ oder „Werkform“ bezeichnest, sind für mich Genres. Die von Dir zitierte Klammer „Medium Fotografie“ hat sich mittlerweile ins Undefinierbare aufgelöst. In Forschen und Erfinden zeigst Du einen Parcour durch die aktuellen Möglichkeiten, mit Fotografie künstlerisch zu arbeiten. Aber tatsächlich ist die Fotografie in der gesamten zeitgenössischen Kunst „irgendwie“ vorhanden. Du könntest also auch gegenständliche Malerei mit einbeziehen unter dem Titel: „Fotografie in der Werkform der Malerei“. Bei Forschen und Erfinden geht es zum Beispiel von den Atlas-Sammlungen Costa Veces – Gerhard Richter und Aby Warburg lassen schön grüßen –, über Ana Torfs inszeniertes Filmzitat von Carl Theodore Dreyers „Jeanne d'Arc“ bis hin zu Illustrations-Dokus für eine literarische Recherche von Joachim Koester. Ich sehe da keinen zwingenden Zusammenhalt. Auch das Thema Forschen und Erfinden ist vage, denn „Forschen und Erfinden“ sind die Grundlagen jeglicher künstlerischen Tätigkeit, auch für Fotografen. Allan Porter, der frühere Redaktor der Zeitschrift camera aus Luzern, hat das schon in seinen Texten in den 60er Jahren beschrieben: „Es gibt zwei Typen von Fotografen, die Entdecker und die Erfinder“.

24.06.2008

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