www.fotokritik.de Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst |
||||||
| |
||||||
|
Gespräch: kontrovers - Fragen an Thomas Seelig, Sammlungskurator am Fotomuseum Winterthur - Seite 7 Thomas Seelig Da habt Ihr, Allan Porter und Du, sicherlich recht, zwischen diesen beiden Polen finden sich eine Vielzahl künstlerischer Ansätze in der Fotografie wieder. Um ehrlich zu sein, verstehe ich Deine Kritik nicht recht. korschen und Erfinden stellt Genres vor, allerdings nicht auf Technik und Werkform reduziert. Bei der Auswahl spielten hinein, welche Motive des Erzählens oder des Sammelns eine Rolle spielen, wie und ob Form und Inhalt methodisch oder chaotisch gefunden werden. Ob ein fotografisches Bild für sich alleine stehen kann oder es zwingend einen Text, eine Anordnung oder ein Raster benötigt, um verstanden oder kommuniziert zu werden. Diese Haltungen, die Du Genres nennst, sind bewusst sehr weit auseinander platziert. Vom Selbstverständnis der eingeladenen Künstler, die mit diesem Medium teils ausschließlich, teils nur am Rande arbeiten, ist diese Autonomie sicherlich verträglich, vielleicht sogar Pflicht. Es gibt sicherlich andere Formen von Ausstellungen mit historischen oder thematischen Zusammenstellungen, in denen dem auratischen Platzanspruch eines Werks und der Einbindung in eine Argumentation ein engerer Rahmen gegeben wird. Ich finde aber interessant, dass Dich diese These zu einer derartig eindeutigen Ablehnung treibt. Eine lose Zusammenstellung der Positionen provoziert vielleicht ein Hinterfragen der fotografischen Wahrnehmung und erfordert vom Betrachter, eine Haltung zur fotografischen Bildproduktion einzunehmen. Das kann auch im Dissens zur Ausstellung geschehen. Th. L. Du bist Kurator an einem Fotomuseum, also an einem Kunstgewerbemuseum mit der Spezialisierung Fotografie. Eine Ausstellung mit Künstlern von so unterschiedlichen Haltungen in einem Fotomuseum zu zeigen ist sicherlich ambitioniert, aber in diesem Kontext doch eher ungewöhnlich. Ob diese Ambitionen in korschen und Erfinden auch nachvollziehbar sind, scheint mir nicht zwingend. Deutlich zeigt sich das bei den Arbeiten von Walid Raad/The Atlas Group, die den schönen Titel „ehrlich gesagt, das Wetter hat geholfen“ trägt; eine Idee über Erinnerungen eines Jungen aus der Kriegszeit, der Einschüsse und Splitter sammelte und die Fundstellen farbig auf dokumentarischen Ansichten Beiruts markierte, dies auch noch nach waffentechnischen Gesichtspunkten geordnet. Was Dir für die Ausstellung zur Verfügung stand, waren 17 Prints im Format 46x72cm, die im Rahmen wie fragile technische Zeichnungen wirken. Prinzip der Atlas Group sind Arbeiten mit einer großen Fülle dokumentarischen Materials. Aus dem Wissen um die Fülle und dem archivarischen Impuls ergeben sich für den Betrachter die künstlerischen Zusammenhänge. Wenn man Arbeiten der Atlas Group kennt, sind die Exponate lesbar und können ihre Wirkung entfalten. Ohne diesen Wissenskontext sind diese 17 Exponate aber nur eine Idee, ein Konzept, die Wirkung muss man imaginieren. Wobei ich natürlich auch gesehen habe, dass die von Dir ausgestellten Bilder so auf dem Kunstmarkt angeboten werden. 24.06.2008 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | > google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
![]() Editorial Autoren Forum Newsletter Mitarbeit Kontakt Impressum |