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Nachgefragt: Gespräch mit Thomas Wiegand, Mitorganisator des 4. Kasseler Fotofrühlings. - Seite 4 Thomas Wiegand: Der Begriff „Fotobuch“ bezeichnet, wenn man einer Recherche über Google Glauben schenken darf, Bücher mit vom Kunden selbst fotografierten Aufnahmen, hergestellt im Digitaldruck und zu beziehen über das Internet oder jeden Drogeriemarkt. Im Mittelpunkt des Fotofrühlings standen aber Bücher, die als Werk einen besonderen Wert als Publi-kationsform von Fotografie haben. Wert meint hier zunächst nicht den Marktwert, sondern den Wert in künstlerischer, ästhetischer, konzep-tioneller, kunsthistorischer, historischer, drucktechnischer, gestal-terischer Hinsicht. Ich beschäftige mich seit langem mit der Suche von solchen „Werken“ abseits der Empfehlungen, wie man sie von Badger/Parr, Roth, Bertolotti oder Auer bekommt. Genau dieses Vorgehen empfahl -auch Martin Parr in seinem Vortrag in Kassel. Die von Parr & Co vorge-stellten Werke setzen Maßstäbe, nach denen man seine eigene Urteils-fähigkeit schulen kann. Aber der Kanon der Fotobücher ist noch lange nicht abgeschlossen. Einige Bücher aus dem Kanon waren schon immer selten und teuer, andere wurden erst durch die Veröffentlichung bei Parr & Co unerschwinglich. Für Bücher, wie ich sie suche und immer wieder finde, gibt es keinen Markt – sie werden also nur eingeschränkt wahrgenommen. Fotobücher ohne prominente Empfehlung sind auch gut, aber es interessiert kaum jemanden. Deshalb ist es an der Zeit, Fotobücher und deren Geschichte ernsthafter zu erforschen und die Wissensbasis zu verbreitern. Ob dabei die oft von Sammlern zusammen-getragenen spezialisierten Bibliotheken (wie in Berlin im Fotomuseum die Bestände Steinorth und Lambers oder in Stuttgart der Bestand Krauss) eine Rolle spielen können, bleibt dahingestellt. Bibliotheken forschen nicht, sie stellen nur das Material zur Verfügung. Es sei denn, man versucht wie der Sammler und Publizist Manfred Heiting auf Basis der eigenen Sammlung eine über die trockenen Bibliographie der Fotoliteratur von Frank Heidtmann hinausgehende, wenigstens für eine bestimmte Zeitspanne oder Buchgattung geltende Vollständigkeit zu erreichen (vgl. dazu Roland Jaeger, Autopsie und Information, in: Rundbrief Fotografie, NF 54, Heft 2/2007, S.3f.). Vollständigkeit heißt, dass der Bearbeiter alle Bücher gesehen hat und durch die Autopsie eine ganze neue Qualität im Umgang mit den Büchern erreicht werden kann. Die Frage ist nur, wie die interessierte Öffentlichkeit an dem Erkenntnisgewinn beteiligt werden kann, denn Bücher in privaten Bibliotheken sind normalerweise für die Forschung nicht zugänglich. fotokritik: Und was wäre das Erkenntnisziel dieser Forschung? Vielleicht können Sie dies an einigen Beispielen aufzeigen? 30.09.2008 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | > google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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