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  Nachgefragt: Gespräch mit Thomas Wiegand, Mitorganisator des 4. Kasseler Fotofrühlings. - Seite 5


Thomas Wiegand:
Wenn für Kunst- oder andere Ausstellungen Kataloge erstellt werden, werden die gezeigten Werke minutiös bis in kleinste Details beschrie-ben, die Provenienz wird geklärt, eine kunstgeschichtliche Einordnung wird gegeben etc. Das jedenfalls erwarte ich von einem richtigen Aus-stellungskatalog. Wenn man ein Buch als Werk ernst nehmen möchte, sollte das in gleicher Form geschehen. Bislang tun das nur die wenigsten Händler, Sammler oder Museumsleute. Bücher bekommen eine bestimmte Ausstattung mit auf den Weg, ein Schutzumschlag ist also nicht nur die Verkaufsverpackung des Bandes, sondern als Gesicht des Werkes ein ästhetisches Statement. Das innen vergleichsweise unspek-takuläre Hamburg-Buch von Albert Renger-Patzsch (Gebrüder Enoch Verlag, Hamburg 1930) beispielsweise erhielt eine Fotomontage von Cesar Domela als Schutzumschlag. Diese Montage ist zwar aus Bildern des Buches aufgebaut, steht aber für eine ganz andere Ästhetik. Ohne den Umschlag kennt man das Buch nur zur Hälfte. Ob der Fotograf mit dieser avant-gardistischen Verkaufshülle überhaupt einverstanden war? Roland Jaeger hat diesem Buch einen Aufsatz gewidmet, die Forschungslage ist also vergleichsweise gut (Roland Jaeger, Moderne Stadtwerbung mit Photo-graphie: Das „Hamburg“-Buch von Albert Renger-Patzsch, in: Aus dem Antiquariat, 3/2005 (10.6.2005), S. 171ff.). Selbstverständlich sind nicht alle Umschläge, Schuber, Bauchbinden, Lesezeichen und was es sonst noch an Ausstattungselementen geben mag, für den Historiker wichtig. Vieles mag nur den Sammler interessieren, für den die Seltenheit, der Zustand, die Vollständigkeit ungeachtet vom Erkenntnis-wert den Anreiz darstellt, statt 60 Euro 1500 Euro auszugeben – so vielleicht heute der Preisunterschied beim genannten Hamburg-Buch.

30.09.2008

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