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  Leuners "fortlaufende Anmerkungen" Nr.2, Sommer/Herbst 2003 - Seite 10


Spannend ist natürlich die Frage, warum Sie bei der Präsentation Tillmans inFrankfurt so ernüchtert waren. Hierzu einen kurzen Exkurs: Haben Sie “das Reale an der Rückholfeder³ von Walead Beshty in “Texte zur Kunst³ Nr. 51 vom September 03 über “Cruel and Tender³ gelesen? In dem Beitrag werden Weksi und Dexter vorgeworfen, sie transportierten ein naives Künstler-Bild und blenden entpolitisierend den Kontext aus. Dem derzeit wichtigsten Fotokurator Deutschlands wird “simplizistische Abhandlung des einmal gestellten Themas³ vorgeworfen. In der Tendenz ähnlich: Edgar Schwarz in “Kunstforum" Nr.166 S. 394. Das ist klar und leider richtig, zeigt aber, wie unreflektiert das kuratorische Niveau in der Fotografie ist. Dabei steht “Cruel und Tender" meilenweit über den Tiefen, die von den Honnefs mit “Von Körpern und anderen Dingen³ im Deutschen Historischen Museum Berlin produziert wurden.
Zu Ihnen zurück: Dieses naive Künstler-Bild wird auch von Tillmans geteilt das können Sie an seinen Künstlerbücher erkennen. Mehr und mehr wir der Kontext auch bei den älteren Bildern ausgeblendet, um so ein Künstler-Image zu schaffen hier : Etwas Bad Boy mit Schulensex. Dass er dieses Image eigentlich nicht aus füllen kann, ist Ihnen ja in Frankfurt auf die Füße gefallen.
Mich persönlich interessiert natürlich: Wann ist Tillmans denn in Ihr Wahr- nehmungsfeld getreten? Wohl doch erst, als er in der Bildenden Kunst aufgetaucht ist. Da ich auch die angewandte Fotografie im Auge hatte, kannte ich Tillmans Bilder schon aus den Zeitschriften
Publikationen in England. Gerade im Vergleich zu Teller waren sie deutlich pastelliger. Wenn man diese Vorgeschichte kennt, wirken Begriff wie “Schmuddeloptik" für Tillmans Bilder wie, “haben Sie hier nicht was verwechselt?".

21.03.2005

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