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  Leuners "fortlaufende Anmerkungen" Nr.2, Sommer/Herbst 2003 - Seite 9


sind uns darüber einig, dass die Tillmansche Bildsprache relativ ästhetisch, unaufgeregt oder konventionell ist (je nach Blickwinkel), wobei ihre große Qualität in der visuellen Klarheit liegt. In der Optik findet sich also kein “Schmuddel". Die Frage ist dann, sind die Bildsujets “schmuddelig" und ist “hinter den Kulissen³ fotografiert worden? Sie haben als Beispiel für “schmuddelig" das Foto von einem Mann mit Irokesenschnitt angeführt, der auf einen Stuhl pinkelt. Nur : Ein Punk, wie Sie meinen, ist er Typ nicht! Um mich mal selbst zu zitieren: In meinem gerade erschienenen Buch “Im Schatten des Adlers ­ Fotoreportage 1981- 85" können Sie im Kapitel “die Musikszene" echte Punks sehen. ­ Ich kann Ihnen ein Rezensionsexemplar zukommen
lassen, wenn es Sie interessiert. (Zur Information ist diesem E-Mail als Datei das Interview mit dem Tagesspiegel vom 09. November 03 beigefügt, in dem ich über das Thema des Buchs, die Subkultur Berlin/West Anfang der 80 er Jahr, befragt werde.)
In der Ausstellung “Unterbrochene Karrieren, Partnerschaft - Jochen Klein und Wolfgang Tillmans" NGBK Berlin(www.ngbk.de/start/index - zu finden unter Ausstellungen 2002) war deutlich erkennbar, dass Tillmans sich in einer schwulen
Subkultur bewegte. Es sind die Jungs, die mit Militäroutfit in den Darkroom gehen.
Sonderlich schmuddelig sind die nicht. Der Irokesenschnitt geht übrigens auf Scorcseses Taxi-Driver zurück und der hatte mit den Punk-Prolos nichts zu tun. Die Gewichtung der Arbeiten Tillmans sieht doch so aus: 1. Lebensgefühl der Techno-Generation (aus der Modefotografie entwickelt) ­ dafür hat er den Turner Preis bekommen. www.tate.org.uk/britain/exhibitions/tillmans/ 2. “Friends" ­ das Thema hat Nan Goldin schon vor über 10 Jahren gemacht. 3. Der schwule Aspekt ­ war für England eine Provokation beim Turner-Preis, bei uns aber mit einem Lord Mayor Wowereit kalter Kaffee. 4. Abstrakte Fotokunst - in der richtigen Erkenntnis, dass die bei der Fotoszene beliebte grafische “Fotokunst" schwächelt, hat er sie wieder eingestellt. 5. Neu das Stichwort “direkte "Fotografie" (passend zu Weskis “Cruel and Tender") - z.B. : Sein Beitrag in “Architektur der Obdachlosigkeit", Pinakothek der Moderne, München.

21.03.2005

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