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Leuners "fortlaufende Anmerkungen" Nr.3, Frühjahr/Sommer 2004 - Seite 14 Berlin «Von Körpern und anderen Dingen» Die äußeren Daten sind unglücklich. Das Deutsche Historische Museum gibt das Genre vor: Deutsch und Kunstgewerbe. Der Kurator beschränkt sich noch selbst: inszenierte Fotografie zum Thema «Körper» im Zeitraum von 1920 bis zur Gegenwart. Das hätte eine interessante Ausstellung ergeben können, die aber einen hohen Rechercheeinsatz erfordert hätte. Das Thema ist immens, geht es doch durch viele Genres: Mode, Sport, Porträt, Akt und Wissenschaft. Und was macht der Kurtor Klaus Honnef damit? Die Begriffe werden aufgeweicht: Aus Körper wird mit dem Zusatz «und andere Dinge» alles, was man fotografieren kann. Der Begriff «inszeniert» wird nur gegen die journalistische Fotografie in Stellung gebracht. Fotokünstler sind die, die nicht journalistisch arbeiten und sich als Kunstautoren definieren. Und wer ist das: Die von Klaus Honnef und einem Teil der Deutschen Fotografieszene entwickelte „autonome deutsche fotografische Kunst“. Die Namensliste ist vorgegeben und wird nur im Zeitgenössischen variiert. Also: Blossfeld, Sander, Renger-Patsch; Riefenstahl, List und Subjektive Fotografie; Becher, Blume, Sieverding – und dann wird’s immer diffuser: Martens, Schmitz, Mayers u. a. Dieser Kanon wird seit den 70er Jahren von den Anhängern einer autonomen Entwicklung der Fotokunst in den unterschiedlichsten Variationen propagiert. Mal heißt die Ausstellung «die Macht der Bilder», mal wird wie hier das Material im Sinne von «Ding» vorgestellt. Dahinter steht die Lobby der deutschen fotografischen Sammlungen, die sich auf die Sicht von Otto Steinert beruft. Es wird von einem deutschen Sonderweg ausgegangen, dessen Entwicklung sich über das Ästhetische formuliert. Zum Beispiel: SK Sammlung Köln (www.sk-kultur.de), Fotografische Sammlung Essen (www.museum-folkwang.de), Berlinische Galerie (www.berlinischegalerie.de). Auch die meisten Auktionen über klassische Fotografie werden durch diesen Kanon bestimmt. – Bassenge (www.bassenge.com), Dietrich Schneider-Henn (www.schneider-henn.de) u. a. Die erbitterte Kritik, die dieser Ausstellung von Klaus Honnef entgegen schlug, beruhte in erster Linie darauf, dass sich der Titel der Ausstellung in keiner Weise mit dem hinlänglich bekannten Inhalt deckt. Aber es zeigt sich auch deutlich, dass die Position einer autonomen deutschen Fotokunst heute nicht mehr widerspruchslos hingenommen wird und bei der jüngeren Gene-ration auf schlichtes Unverständnis stößt. 22.03.2005 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | > google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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