www.fotokritik.de

Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst
 
   

 
Beiträge '12
Beiträge '11
Beiträge '10
Beiträge '09
Beiträge '08
Beiträge '07
Beiträge '06
Beiträge '05
Bilder

Neu gelesen
Ikon-Archiv

Englische Texte




Suche
  Leuners "fortlaufende Anmerkungen" Nr.3, Frühjahr/Sommer 2004 - Seite 15


Natürlich bleibt die Frage, warum ein so erfahrener Ausstellungsmacher und Fotokritiker wie Klaus Honnef sich so ins Abseits manövriert. Dies ist schwer verständlich, weil er einer der ganz wenigen Fachleute für Fotografie ist, die sich lange Jahre intensiv mit der zeitgenössischen bildenden Kunst aus-einander gesetzt haben. Eine Qualifikation, die den meisten Fotohistorikern und Kritikern abgeht. Eine Erklärung kann hier nur angedeutet werden. Die wie Klaus Honnef gebildeten Fotokritiker der frühen 68er-Generation beziehen ihre theoretische Grundlage immer noch aus der deutschen Sicht auf die Fotografie, die die Deutsche Fotografie des 20. Jahrhunderts als Handwerkskunst wahrnimmt – nicht zu unrecht, die anderen hatte eben keine Chance. Nach dieser Lesart gibt es keine Fotografen, die Künstler sind. Wenn sie im Rahmen des Mediums bleiben, sind sie zum Kunstgewerbe verdammt. Künstler, die mit Fotografie arbeiten, machen Kunst, auch wenn ihnen die medialen Kenntnisse fehlen. Der Stand der Diskussion Ende der 70er Jahre ist ausführlich nachzulesen in: «Photographie als Medium. 10 Thesen zur konventionellen und konzeptionellen Photographie» von Rolf H. Krauss (Verlag A. Nagel, 1. Auflage 1979, ISBN 3-89322-707-5).
Deutlich wird hier, dass für gebildete Zeitgenossen die deutsche handwerklich orientierte Fotografie in einem bedrückenden Maße bildungsignorant war (und teilweise noch ist). Man muss nur die Äußerungen von Renger-Patsch lesen, um dies nachvollziehen zu können. Intelligente und in der Zeit stehende Fotografen des späten 20. Jahrhunderts wurden daher zu „konzeptionellen Künstlern, die mit Fotografie arbeiten“, umgepolt – wie das Ehepaar Becher.
So wird auch erklärlich, warum „journalistische Fotografie“ bei Klaus Honnef keine Kunst ist, aber jede Inszenierung zur Kunst wird, auch wenn die Arrangements nacktes Kunstgewerbe sind. Zum Beispiel die Exponate einer Frau Schmitz. Der Umbruch der 80er Jahren hat dieser mehr auf Beobacht-ung als auf Analysen beruhenden Theorie den Boden entzogen.

22.03.2005

< | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | >
google english translation
Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben
Email an den Autor

Druckversion
 
Editorial
Autoren

Forum
Newsletter

Mitarbeit
Kontakt

Impressum