www.fotokritik.de Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst |
||||||
| |
||||||
|
Leuners "fortlaufende Anmerkungen" Nr.3, Frühjahr/Sommer 2004 - Seite 4 Hier als negatives Beispiel der Beitrag von Ulrich Bischoff in dem Katalog «Jede Fotografie ein Bild», Pinakothek der Moderne München: «In allen vier Bildgattungen – Landschaft, Stillleben, Portrait und Historie – kommt der Künstler sowohl im Ölgemälde als auch im Medium Fotografie der von Wilhelm von Humboldt so einfach und unmissverständlich formulierten Aufgabe nach: Die allgemeine Aufgabe aller Kunst ist die Herstellung eines Bildes von der Wirklichkeit. Das Wirkliche in ein Bild zu verwandeln. Insofern kann man auch die Kunst der Fotografie neu formulieren: Aus der Kunst des Aufzeichnens mit der lichtempfindlichen Platte ist die Kunst der Umformung geworden. Auf der Suche nach Wahrhaftigkeit tastet sich das Auge in Analogie zur Hand der Blinden am Gegenstand, am Leben möglichst nahe, ‚close to life’, entlang, um eine ungefähre Vorstellung vom Erahnten, Ertasteten zu erlangen. Unter geschichtlichen Gesichtspunkten ist Adornos phänomenologische Beschrei-bung des Kunstwerkes von Gewicht: Wesentlicher Faktor des Bildes ist das Gewordensein durch Umformung. Die Erfassung des Wirklichen und damit der Qualität des Bildes muss sich aber am Grad der Zartheit messen lassen, mit der der Annäherungsprozess erfolgt ist: Wahrhaft durchgebildet sind Werke, in die die formende Hand dem Material am zartesten nachtastet.» (Seite 31 des Katalogs) Der Text ist deutlich. Kunsthistorisches Gedankengut aus den verschmockten 70er Jahren, die Fotografie als ungebrochene Fortführung der gegen-ständlichen Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts, und: Hier schreibt jemand über eine Sammlung, deren Konzept er ablehnt. Der in der Siemenssammlung wesentlich von Thomas Weski geprägte Samm-lungskern macht sich die Position der «Straight Photography» zu Eigen. Und die besagt: „direkt fotografieren“ und nicht die Kunst erst dann anfangen lassen, wenn das auf der Fotoplatte Aufgezeichnete durch die „Kunst der Umformung“ neu formuliert wird. Ulrich Bischoff im Klartext: Ihm gefällt die digital bearbeitete Fotografie, das Inszenierte, möglicherweise noch die experimentelle Fotografie – also alles, wo keine „Maschine“ direkt am Werk ist. Allein der Titel des Aufsatzes von Thomas Weski in dem Katalog zur Ausstellung «How you look at it» von 1996 – «Gegen Kratzen und Kritzeln auf der Platte» – zeigt deutlich, welche Welten hier aneinander vorbeireden. Was hat der Text von Bischoff in dem Katalog über die Siemenssammlung zu suchen? 22.03.2005 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | > google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
![]() Editorial Autoren Forum Newsletter Mitarbeit Kontakt Impressum |