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  Leuners "fortlaufende Anmerkungen" Nr.3, Frühjahr/Sommer 2004 - Seite 9


Worum es eigentlich geht, ist die Vorstellung eines Dokumentarfotografen der Generation der neuen deutschen Fotografie aus den 90er Jahren. Die Be-sonderheit dieser Gruppe von Porträtfotografen ist die Dominanz eines zurückgenommen Stils in leichter, narrativer, reportagehafter Art, der weich und mit pastellenen Tönen bewusst regionale Themen aufgreift. – Bernhard Fuchs, Albrecht Tübke, Göran Gnaudschun, Jitka Hanslová, um nur einige Namen zu nennen. Dies als deutliche Abgrenzung zu dem Stil der Becher-schüler, die sich als Werbetrommler für Globalisierungsgewinner haben missbrauchen lassen. Vorbilder sind bewusst mit introvertierten Bildern arbeitende amerikanische Fotografen der «New Topographics», besonders Robert Adams und deren Nachfolger in der Farbfotografie. Alle Beteiligten verbindet eine ostelbische Biografie mit fotografischer Sozialisation in der Nachwendezeit im Westen.

Aber zurück zu den Anforderungen an einen zeitgemäßen Kurator für Fotografie.
Die «Künstlerliste» ist Autorenrecht des Kurators, also sakrosankt. Ob die Bilder dann überzeugen, ist eine andere Sache. «Geheimhaltungsstufe1» gilt aber immer noch bei der Auswahl (Wahl ist wohl das falsche Wort) des Kurators und dem damit vorgelegten Konzept.

Jedoch gewinnt eine immer größere Bedeutung der öffentlich kommunizierte Ausstellungsprozess. Als Beispiele seien hier nur die Dokumenta 10 und 11 erwähnt. Es geht darum, die Prozesse des Ausstellungswerdens nach außen transparent zu machen. So wird die Ausstellungsfindung Teil des öffentlichen Veranstaltungsdiskurses, an dem das Publikum teilnehmen kann.

An solchen Erfahrungen und Versuchen fehlt es im Bereich der Fotografie völlig.
Dies ist auch bei Weski so. Dieses Fehlen einer öffentlichen Kommunikation ist einer der Gründe, warum Weski als Kurator Einseitigkeit bei der Auswahl der Künstler vorgeworfen wird. Der Ruch des monomanen Förderers einiger weniger Künstler lässt sich nicht so einfach abschütteln.

22.03.2005

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