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  Gespräch zwischen André Gelpke und Jörn Vanhöfen im Februar 2009 - Seite 2


Jörn Vanhöfen
Mal abgesehen davon, dass es Ende der 70er und Mitte der 80er Jahre die Marktmöglichkeiten für Fotografien noch nicht so gab, wieso denkst Du, dass sich Eure Bewegung in der Fotografie nicht so durchgesetzt hat? Ihr wart doch eigentlich ein revolutionärer „Haufen“, habt doch über die Irritation der Wahrnehmung ganz neue Sehweisen provoziert. Das war doch eine gute Basis: Steinert als Lehrer, Kollegen die ähnlich dachten und foto-grafierten, Folkwang-Schule... Eigentlich eine starke Bewegung inner-halb der künstlerischen Fotografie. Wieso ist das so verpufft in den 80er Jahren?

André Gelpke
Da muss man trennen – schauen wir zunächst auf Otto Steinert und die Folkwang-Schule. Er hat sich innerhalb der Lehre von der hochverdienten „Subjektiven Fotografie“ der fünfziger, Anfang sechziger Jahre in den siebziger Jahren eher wieder in Richtung Bildjournalismus hin bewegt. Also zu einer Zeit, in der dieser längst durch das Fernsehen abgelöst worden war. Ich denke, der Auslöser hierfür war bei Steinert eher seine persönliche Irritation der studentisch-politischen Aufbruchstimmung dieser Zeit gegenüber als seine wirkliche Überzeugung, dass die journa-listische Fotografie noch etwas in Richtung einer politischen oder sozialen Meinungsbildung beim Betrachter bewirken könnte. Das Ganze war, denke ich, eine Sackgasse, bestenfalls ein letztes Aufbäumen der analogen journalistischen Fotografie den digitalen Abendnachrichten im Fernsehen gegenüber. Wir waren viel zu langsam geworden und retteten uns in Nischen, eine Art illustrative Bildagenturfotografie. Dies kurz zu unserem Lehrer Otto Steinert. Nein, die Fotografie die einige von uns betrieben und die du wohl meinst, die entstand in Europa durch amerikanische Einflüsse. Es waren die Bilder eines Robert Frank, eines Lee Friedlander, einer Diane Arbus, um nur einige zu nennen. Und diese Form einer Autorenfotografie ist natürlich nicht gescheitert, sie hatte nur innerhalb des Kunstmarktes in Deutschland nicht den Erfolg, wie die dokumentarischen Arbeiten einiger der Becher-Schüler, also Abgänger der Kunstakademie Düsseldorf.

07.04.2009

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