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  Gespräch zwischen André Gelpke und Jörn Vanhöfen im Februar 2009 - Seite 5


André Gelpke
Wenn wir die Situation international betrachten, stimmt das nicht, weder im Kunstmarkt noch innerhalb der Druckmedien. Auf die Kunst bezogen gibt es nur in Deutschland innerhalb der Fotoszene diese zwei Lager, zum einen die besagten dokumentarischen Becher-Leute mit ihren Kunstmarktstrategien, die dann auch durch die grossen Galerien ver-treten sind, und die anderen, die um die kleinen Ausstellungs- und Ankaufsetats der verschiedenen fotografischen Sammlungen in den wenigen Museen kämpfen. Die Situation bei uns in der Schweiz ist dagegen eine ganz andere, auch wenn dies vielleicht nicht für alle Länder Europas ebenfalls so sein muss. Hier ist die Fotografie mit ihrem gesamten Spektrum innerhalb der Kunst voll integriert und wird Jahr für Jahr städtisch, kantonal wie auch vom Bund großzügig mit hunderttausenden von Euro gefördert. Es gibt Geldstipendien, aber auch die Möglichkeit, für ein Jahr finanziert ins Ausland zu gehen. Und was aber vielleicht noch wichtiger ist: Diese Fotografie wird dazu noch ausgestellt in den vielen Kunstvereinen und Museen. In Deutschland hingegen gibt es in-zwischen doch eine regelrechte „lost generation“: viele hervorragende junge FotografInnen, die einfach keine Chance bekommen. Da nützt es wenig, wenn eine Ute Eskildsen vom Folkwang-Museum Essen, oder ein Ulrich Pohlmann vom Stadtmuseum München dem ganzen Elend mit all ihren beschränkten Mitteln mutig entgegenzuarbeiten versuchen. Eine Schande ist das mit der Fotografieförderung in Deutschland, einfach eine Dummheit.

Jörn Vanhöfen
Leider glaubt aber jeder in diesem Markt, es doch irgendwann und irgendwie zu schaffen. Das ist alles hoch spekulatives Terrain und sehr viel Selbstausbeutung. Daher steht oftmals Form und Eindruck vor Inhalt und Ausdruck und bedingt somit ein dauerndes Schielen auf den Markt mit der Frage, was denn gerade so „läuft“. Aber sag mal, wie reagierst Du denn als Lehrender auf diese künstlichen Ansprüche und Vorstellungen junger Menschen an die Fotografie ?

André Gelpke
Zunächst versuche ich einmal jegliche Ansprüche ernst zu nehmen, dafür bin ich da und verdiene mein Geld. Vorstellungen von etwas zu haben ist ja oft auch der Motor, um überhaupt etwas zu tun auf dieser Welt. Und ob etwas richtig oder falsch ist, da bin ich eher vorsichtiger geworden in der letzten Zeit. Nein, das ist es nicht – was mich aufregt, sind Studierende, die nur so tun als ob. Sie wollen Künstler sein, besuchen aber keine Ausstellungen. Sie interessieren sich nicht für die Kunst-geschichte, weil sie, wie sie sagen, Angst vor Beeinflussung haben, und von den zeitgenössischen Künstlern kennen sie die Arbeit nicht, dafür aber die Preise auf dem Kunstmarkt. Künstlerische Begabung zu haben bedeutet ja lediglich, für die Kunst die Grundvoraussetzung zu besit-zen, mehr zunächst nicht. Wer darüber hinaus noch über Intelligenz, Fleiss, Disziplin und Ehrgeiz verfügt, der kann ganz gut werden. Aber wer neben Intelligenz über keine Vorstellung und hierfür nötige Neugier verfügt, wird niemals Bedeutendes produzieren, da bin ich mir sicher. Und in diesem ganzen Geflecht von Voraussetzungen mangelt es bei vielen entweder hier oder dort. Da wird manchmal der „Paris-Hilton-Effekt“ wichtiger genommen als ein ernstes Arbeiten. Darüber hinaus gibt es aber heute auch noch in der Theoriedebatte den Hang zu der meister-haften Formulierung des Unwesentlichen, rhetorisch hervorragend, in-haltlich aber blutleer, weil nicht im Ansatz selber gelebt.

07.04.2009

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