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  Gespräch zwischen André Gelpke und Jörn Vanhöfen im Februar 2009 - Seite 6


Jörn Vanhöfen
Ich denke, dass die aktuelle wirtschaftliche Krise all die fortspülen wird, die glaubten, allzu leichtfertig und locker durch die Galerien und Kunstmessen tingeln zu können. Das gilt für den flotten Kunsttheoretiker sowie für die Fotografen. Viele Galerien machen nun dicht, andere ziehen sich vehement von den Messen zurück, die Umsätze fallen rapide. Was würdest Du nun einem engagierten Fotografen raten in einer solchen Zeit? Wie soll er all dies um sich herum in seine Arbeit einfließen lassen?

André Gelpke
1968 habe ich begonnen, Fotografie an der Folkwang-Schule in Essen zu studieren. So, wie man damals darum kämpfen musste, dass akzeptiert wurde, dass die Fotografie auch in der Lage war, Kunstproduktionen hervorzubringen, so muss man heute an Hochschulen immer wieder darauf hinweisen, dass Fotografie auch noch zu etwas anderem in der Lage ist, als nur Kunst zu sein. Die Fotografie ist und bleibt objektgebunden, daran hat auch die ganze Wirklichkeitsdebatte der neunziger Jahre nichts geändert. So, wie meine Studenten beweinen, dass die Ankaufetats der Banken durch „irgendeine Krise“ weggebrochen sind, beklage ich, dass sie nicht mehr hingehen, um den Bankern in irgendeiner Weise fotografisch in die Augen schauen zu wollen, die momentan damit be-schäftigt sind, diese Welt an den Rand des Abgrundes zu bringen. Dies kann die Fotografie und das hat nicht unbedingt etwas mit Bildjour-nalismus zu tun. Ich bin aber mit der Fotografie in der Lage, spontan auf den inneren wie äusseren Zeitgeist visuell zu reagieren, so wie es die Literatur mit inneren Bildern oder der Film mit Bild und Ton auch kann. Mit Skulptur oder Malerei ist das schon etwas schwieriger. Und wer die Tragödie des wegbrechenden Kunstmarktes beweint, sollte sich einmal das Drama der sterbenden Bildagenturen anschauen, oder die Sta-tistik der abstürzenden Auflagenzahlen der Druckmedien.

07.04.2009

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