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  Gespräch zwischen André Gelpke und Jörn Vanhöfen im Februar 2009 - Seite 7


Jörn Vanhöfen
Dies würde aber bedeuten, dass der Fotograf a) dieses kritische Be-wusstsein hat und b) in seiner Arbeit darauf Bezug nehmen will. Da bin ich sehr sehr skeptisch. Ich habe es in meiner Tätigkeit als Lehrer immer mehr erlebt, dass das Bewusstsein für ein soziales Mit-einander ab- und der Egoismus zunimmt. Die individuelle Verantwortung dieser Welt gegenüber ist in demselben Maße gesunken wie der Anreiz unserer Warenwelt mit all seinen Profitversprechen gestiegen ist. Das ist nicht unbedingt die „Schuld“ des Fotografen, sondern da haben sich viele Auftraggeber wie Zeitschriftenverlage mit ihren geringen Hono-raren über die Jahre fett gefressen und einen Berufsstand inhaltlich und existentiell kaputt gemacht. 10 Tage Arbeit im Monat für 350 Euro am Tag reichen nicht aus, um Steuer, Versicherungen, Krankenkasse, Computer zu bezahlen und eine Familie zu ernähren. Und mit 10 Tage Arbeit für Magazine bist Du in der Branche schon eine bekannte Nummer. Aber lass uns das Thema doch auf die zukünftigen Möglichkeiten richten: Ist nicht bei all dem Dilemma, das wir beschreiben, nicht „das Buch machen“ die letztlich einzige Form, autonom und frei über seine Arbeit zu bestimmen? Sollte man nicht versuchen, Mitstreiter zu finden, in Kommunikation treten mit Gleichgesinnten, um eigene Produktionswege zu finden, die Unabhängigkeit versprechen? Muss es nicht zu einer Wieder-belebung des Gedankens der Autorenfotografie kommen?

07.04.2009

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