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  Heynowski & Scheumann, Kannibalen - Fotobücher "neu gelesen", Folge 3
von Thomas Wiegand

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Schlagworte: Heynowski & Scheumann, Kannibalen

„Die Welt soll es wissen!“ – Heynowski & Scheumann: Kannibalen (1967)

Dem Buch sollte ein Beipackzettel für Zartbesaitete beigelegt sein. Kannibalismus ist ein Tabu; die offene Darstellung von Gewalt ist nicht minder problematisch. Fotos von Gewalttaten und deren Opfern kennt man aus Kriegs- und Bürgerkriegssituationen oder vom Holocaust. Das Scho-ckierende daran ist, dass man zunächst einmal automatisch davon aus-geht, dass diese Bilder einen wahren Kern enthalten. „Das fotografische Bild ist seiner Natur nach immer konkret; es ist darüber hinaus immer emotional befrachtet, also erlebnisträchtiger als der abstrakte Gedanke“ (H&S 1966, zit.n. Retrospektive H&S 1976, S.49). Das trium-phierende Fotografieren von Opfern ist eine traditionsreiche Vorgehens-weise, ähnlich wie das Herstellen von Schrumpfköpfen erlegter Feinde oder von Lampenschirmen aus Menschenhaut. Doch die Autoren des Buches wollten mehr, als einen moralischen Sieg zu feiern.

Das Buch „Kannibalen“ hatte 1967 eine Auszeichnung als eines der „schönsten“ Bücher der DDR erhalten. Dabei ist es nicht wirklich schön, eher schaurig. Die Lektüre verspricht ein Erlebnis der besonderen Art, wenn auch der ironisch-verharmlosende Untertitel lautet: „Ein abend-ländisches Poesiealbum in Selbstzeugnissen“. Es richtet es sich gegen den (selbstverständlich) westlichen Imperialismus am Beispiel der Wirren um die Unabhängigkeit (1960) des vormals belgischen Kongo. In diesen bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen waren u.a. auch bundesdeutsche Söldner im Einsatz, worüber 1964 der Stern und andere westdeutsche Zeitungen berichtet hatten (Steinmetz/Prase 2002, S.72). Die mediale Aufbereitung des Auftritts der Landsknechte im Kongo führte zu einer grotesken deutsch-deutschen Episode im Kalten Krieg.

12.05.2009

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