www.fotokritik.de Texte zur zeitgenössischen Fotografie und digitalen Bildkunst |
||||||
| |
||||||
|
Heynowski & Scheumann, Kannibalen - Fotobücher "neu gelesen", Folge 3 - Seite 11 Es soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass das enthüllende und aufklärerische Buch im Rückblick lächerlich oder ideologisch und politisch verwerflich sei oder wegen der dubiosen Materialbeschaffung zu verdammen wäre. Es ist von Anfang an, bereits angesichts des Schutzumschlages, klar, dass die Autoren im Mantels der Dokumentaristen Propaganda für eine als richtig und unterstützenswert erachtete Sache betrieben: für den Kampf um Entspannung und gegen den Krieg und den westlichen, sprich den vermeintlich westdeutschen Imperialismus. Thematisiert wurden der abgeschlossene Konflikt im Kongo und der noch tobende Vietnamkrieg. Damit leitete der Bildband über zu dem vierteiligen Dokumentarfilm, den H&S als nächstes Großprojekt realisierten: „Piloten im Pyjama“ (1968). Wieder gab es ein Buch zum Film. Die Fotos in diesem Band stammten von Thomas Billhardt, das Layout besorgte erneut Hans-Joachim Schauß. Auch dieses Buch wird wieder zu den besten der DDR gezählt. „Das Buch zum Film wurde zu einer Art Markenzeichen, ein Leserinteresse an diesem Artikel hat sich immer wieder bestätigt… Es geht also nicht um die Frage, ‚Film oder Buch‛. Das ist keine echte Alternative. Aber: ‚Film und Buch‛ - ‚Buch und Film‛ – da ist eine vorzügliche Kooperation nicht nur möglich, sondern auch nötig.“ (Heynowski & Scheumann, Stehend auf zwei Gäulen, in: Schauß 1988, S.52/53). Das „Kannibalen“-Buch ist einerseits eine eigenständige Publikation und hängt andererseits eng mit fünf Filmen von Heynowski und Scheumann aus den Jahren 1965-67 zusammen. „Kannibalen“ setzte sicherlich nicht in jeder Hinsicht Maßstäbe. Wenn auch Gerd Heidemann als Autor eines Teils der Bilder einen renommierten Preis für die Erstveröffentlichung erhalten hatte, entsprachen Bildgestaltung und -qualität des verwendeten Materials über weite Strecken dem privaten oder konspirativen Millieu, aus dem es stammte. Das musste wohl auch so sein, um das Buch überzeugender wirken zu lassen. Zwei weitere in der DDR als „schönste“ Bücher herausgestellte Werke zu Dokumentarfilmen über Befreiungskämpfe sehen ganz anders aus: Dirk Alvermann hatte für „Algerien“ (1960) mit geschultem Blick selbst fotografiert und die auch als Einzelbilder überzeugenden Bilder für sein innovatives Layout verarbeitet. Anders als zu dem von Kurt und Jeanne Stern konzipierten und von Hans-Joachim Schauß gestalteten Band „Unbändiges Spanien“ (1964) gab es zu „Kannibalen“ keinen Film, aus dem man Bilder hätte direkt herauskopieren können. Es wäre spannend zu untersuchen, ob und wie die Gestaltung der Filmbücher des Studios H&S in Details beispielweise von den beiden Frühwerken Dirk Alvermanns (neben „Algerien“ noch „Keine Experimente“, 1961) oder von Bert Brechts „Kriegsfibel“, die 1955 in dem von Heynowski gegründeten Eulenspiegel-Verlag erschien, inspiriert gewesen sein könnte. 12.05.2009 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | > Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
![]() Editorial Autoren Forum Newsletter Mitarbeit Kontakt Impressum |