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Heynowski & Scheumann, Kannibalen - Fotobücher "neu gelesen", Folge 3 - Seite 3 Die Autoren, die DDR-Journalisten und Regisseure Walter Heynowski (geb. 1927) und Gerhard Scheumann (1930-1998), hatten mit Unterstützung des BRD-Kameramannes Peter Hellmich ein filmisches Porträt des westdeutschen Söldners Siegfried Müller (1920-1983), genannt Kongo-Müller, hergestellt. Dazu hatte Hellmich den eitlen Müller am 10.11.1965 nach München eingeladen und ein Studio improvisiert, um ihn dort zu interviewen und dabei zu filmen. Auf ähnliche Weise (und unter Mitwirkung von Peter Hellmich!) hatte Andrew Thorndike 1957 den Nazi-Täter Heinz Reinefarth als Bürgermeister von Westerland/Sylt gefilmt. Müller hatte sich bereit erklärt, seinen Auftritt vor der Kamera in Uniform zu absolvieren, weil ihm dies ein vermeintlich höheres Honorar einbrachte. Laut Hellmich sei Müller seinerzeit „schlicht pleite“ gewesen und habe ein Honorar von ca. 2500 DM erhalten (Steinmetz/Prase 2001, S.77f.; laut Köhler seien es sogar 10000 DM gewesen - Köhler 1966, S.16). Wie im Kongo hatte er sein 1945 erhaltenes eisernes Kreuz (mit Hakenkreuzemblem) an die Brust seiner Tarnjacke geheftet, rauchte und sprach einer Flasche seiner Lieblingsspirituose Pernod zu, die das deutschsprachige Drehteam vorsorglich bereitgestellt hatte. Das lockerte selbstverständlich die Zunge des sich leutselig gebenden, ewig lächelnden Söldners. Am Ende des Films hatte Müller deutliche Artikulationsprobleme… Der mit Standfotos aus dem Kongo und an einer Stelle mit einer passenden Geräuschkulisse (aus Heynowskis Film „Kommando 52“) montierte 62minütige Film zum Thema Krieg in Afrika lief am 9.2.1966 unter hoher Sehbeteiligung im Fernsehen der DDR – und wurde sowohl zu einem Erfolg als auch zu einem Skandal. Gleichzeitig erschien eine dreiteilige Reportage in der Neuen Berliner Illustrierten (NBI). Der Film erhielt beim Dokumentarfilmfest in Leipzig den Sonderpreis der Jury, eine Goldmedaille des „Weltfriedensrates“ und den Autoren verlieh man den Nationalpreis der II. Klasse. In Westdeutschland dagegen gab es zensurähnliche Aufführungsverbote. Am 13.9.1966 wurde noch ein „PS zum Lachenden Mann“ im Deutschen Fernsehfunk gesendet. Müller, der den Veröffentlichungen in einem Vertrag zugestimmt hatte, schrieb ein Buch, wollte sodann in Rhodesien als Fachmann für den „revolutionären, den modernen Krieg“ (Originalton Müller) wirken und verzog endgültig nach Südafrika, wo er schon vor seinem Einsatz im Kongo in einem Hotel-Restaurant, vor allem in dessen Bar, tätig gewesen war. Er kehrte nach der Affäre um die Filme nie wieder nach Deutschland zurück. Für Heynowski, Scheumann und Hellmich war der Film der Paukenschlag zum Auftakt einer längeren Phase der Zusammenarbeit. 1969 erhielten sie für ihr „Studio H&S“ den Status einer OHG, der eine gewisse Unabhängigkeit von der Kultur- und Medienbürokratie der DDR sicherte. Hellmich war als bundesdeutscher Materialbeschaffer mehr oder weniger heimlich mit an Bord. Von 1965 bis zu einer ziemlich offen medienpolitische Missstände aufzeigenden Rede Scheumanns auf dem IV. Kongress der Film- und Fernsehschaffenden am 16.9.1982 produzierte das Studio H&S pro Jahr bis zu sechs Dokumentarfilme, von denen einige auch ins Ausland verkauft werden konnten. Nach Scheumanns Rede, die die Auflösung des Studios zur Folge hatte, arbeiteten die renommierten Filmemacher als „Werkstatt H&S“ weiter, allerdings ohne Sonderrechte. Die lange währende informelle Mitarbeit Scheumanns (und Hellmichs) bei der Staatssicherheit hatte den Sturz vielleicht abfedern, aber nicht verhindern helfen. 1990, mit dem Ende der DDR, endete die Zusammenarbeit von Heynowski und Scheumann (Daten zu H&S nach Steinmetz/Prase 2002). 12.05.2009 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | > Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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