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  4. Berlin-Biennale 2006 - der fotografische Aspekt - Seite 3


Bei der Fotografie wird mit diesem Konzept konsequent auf serielle,
kleinformatige, narrativ-dokumentarische Arbeiten gesetzt. Beispielhaft: Die Bibliothek von Larry Sultan und Mike Mandel mit S/W-Archivaufnahmen aus amerikanischen Behörden der 50er und 60er Jahre. Das ist eine Form der konzeptionellen Fotografie, die mit Ed Ruscha schon früh (in den 60er Jahren) die Spannweite des Mediums demonstrierte. Aber wie häufig in den konkurrierenden Bereichen Kunst und Fotografie wird der Vater der seriellen Alltagsimagination, der amerikanische Fotograf Walker Evans,unterschlagen. Diese frühe Verzahnung der Fotografie mit der Bildenden Kunst findet jedoch langsam mehr Beachtung, z.B. Margrit Rowell für das Whitney-Museum of American Art in New York mit der von ihr konzipierten Schau der Fotografien Ed Ruschas, u.a. mit den berühmten „Twenty six Galsoline Stations“ von 1962 – ursprünglich ein Künstlerbuch mit 26 Tankstellenfotos im Offset-Druck.

Um das sich immer wieder neu erfindende Medium Fotografie in den Griff
zu bekommen, kristallisieren sich mittlerweile Standards heraus, wie
Fotografien in den Kunstkontext eingebunden werden können. Einmal bei der BB4 als narrative, serielle Fotografie, die häufig noch mit journalistisch-historischen Arbeiten aufgepeppt wird. Dieses dokumen-
tarische Genre der Fotografie kommt sehr asketisch und schwarz-weiß daher, ist aber durchaus ein Publikumserfolg. Die Welt präsentiert sich als etwas Beschreibbares, als eine Sammlung von Spuren, die erkennbar und lesbar sind. Ein sedierendes Mittel gegen die unruhige, chaotische Welt. Seit der Documenta X von Catherine David eine kanonisierte Form. Konträr, aber die geniale Ergänzung, das
Katholische, das Großbildevent, wo Phantasien nach Jahrhundertwerken und Höchstpreisen das große „Wow“ auslösen, im richtigen Jahrhundert und in der richtigen Kunst zu leben, mit dem Kick, alles könnte in die Bedeutungslosigkeit der Salonmalerei abstürzen. Beispiel: Thomas Weskis „click doubleclick“ im Haus der Kunst München, Frühjahr 2006.

08.05.2006

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