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  4. Berlin-Biennale 2006 - der fotografische Aspekt - Seite 5


Die Wertschätzung Gallassis für „EIN-HEIT“ beruht auf dem innovativen
Konzept. Hier wurden eigene Fotografien gleichberechtigt mit
vorgefundenem Bildmaterial benutzt. Die Fremdbilder wurden einer rein
fotografischen Retusche unterworfen und dem „Sound“ der eigenen
fotografischen Bildsprache angeglichen. Die kompromisslose Gleich-
setzung subjektiver, eigener Bilder mit bearbeitetem, dokumentarischem Material macht auch heute noch den Reiz dieser Arbeit aus, da mehrere Zeit- und Erzählebenen miteinander verwoben wurden.
Erstaunlicherweise (oder auch nicht) wurde „EIH-HEIT“ von den deutschen Rezensenten der BB4 kaum bemerkt, geschweige denn kenntnisreich besprochen. Dieses fotografische Defizit der Kunstkritik ist ein Thema mit Wiederholungszwang.

Ein Hinweis, wohin zu denken wäre: Jüngst gestand der Maler Georg
Baselitz, Jahrgang 1938, in einem Interview, er würde sich immer
häufiger mit seiner Frau über die Kriegsjahre unterhalten, die seine
Kindheit geprägt hätten. Schmidt, Jahrgang 1945, scheint diese
Phantasien und Spuren ausgangslos zusammengeballt zu haben.

Die weiteren fotografischen Beiträge decken die Palette der zeitge-
nössischen Fotografie ab. Da ist Shirana Shahbazi, die in der
Schweiz lebende Iranerin, die mit reiner „Fotokunst“ enttäuscht, mehrere Farbfotografien an der Wand ergeben noch keine Installation.
Grelle Blitze bei der Hausgeburt von Corey McCorkle, ein seit Boris
Mikhailovs Epos über die Ausgestoßenen und Verdammten der nach- sowjetischen Gesellschaft probates Mittel, um mediale Aufmerk-
samkeit zu erregen. Was als Teil eines großen Epos über die Gebärtrad
itionen der Welt daher kommt, entpuppt sich als die Dokumentation eines werdenden Vaters über die „Natürlichkeit“ der Geburt seines Kindes. Und dies von einem Künstler, der für seine vorsichtigen Interventionen in vorgegebenen Architekturensembles bekannt ist. Das
riecht nach dem fundamentalistischen Amerika des Bush-Zeitalters.

Der Amerikaner Roger Ballen ist Beispiel für einen professionell
vermarkteten Fotografen der anglo-amerikanischen Welt: Gagosian Gallery in New York und Vertretungen in jedem wichtigen Sammler-Land. Roger Ballen lebt als Geologe seit 30 Jahren in Südafrika und wurde in den 90er Jahren durch sein Portraitbuch “Platteland. Images from Rural

08.05.2006

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