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  4. Berlin-Biennale 2006 - der fotografische Aspekt - Seite 6


South Africa” bekannt. Das Thema sind die Buren, weiße Afrikaner, die
als europäische Siedler lange Zeit den Kontakt zu Europa verloren hatten und eine rassistisch begründete Unterwerfungs- und Überlebensstrategie gegenüber den Ureinwohnern entwickelten. Diese galt als Modell und Anregung für völkisch-rassistischen Organisationen des internationalen Nationalsozialismus. Leicht debile Gesichter, die Assoziationen an Pflanzen wecken, entglittenes, verzogenes Leben. Ein großer Auftakt eines Außenseiters ohne künstlerische Ausbildung. Danach griff Ballen mit den auch hier gezeigten Zyklen „Outland“ (2001) und „Shaodow Chambers“ (2005)auf die inszenierte Fotografie zurück. Dies mit der Behauptung, traditionelle afrikanische Mystik mit der Archaik der weltumfassenden Schwarz-Weiß-Fotoästhetik à la Sebastiao Salgado zu verschmelzen. Dies ergibt bedeutungsschwangeren Ethno-Kitsch mit Buren als Laiendarstellern. Immerhin originell. Dank der kleinen Formate und des ausdruckstarken Ensembles der jüdischen Mädchenschule wirkt es doch nicht aufgesetzt.
Die einzige junge deutsche Fotografin ist Ricarda Roggan, Absolventin
der Hochschule für Buchkunst Leipzig, die mit den gezeigten Raum-
inszenierungen bekannt wurde, ein Nachhall auf den mit dem Sozialismus kompatiblen DDR-Protestantismus im weiß gekalkten Atelier. Sie ist ein „Kind“ des umtriebigen Galeristen Harry Lübke, Galerie Eigen+Art, der aus dem Zusamenprall des post-sozialistischen Realismus mit der Moderne die sächsische Kunst- und Maltradition wieder in die vorderen Ränge katapultiert hat. Für Ricarda Roggan heißt Eigen+Art Professionalität, also Nachhilfeunterricht in Bildender Kunst, hier der Besuch des Royal College of Art London, MA Department of Photography. Auf der Homepage von Eigen+Art war sie mit einem Selbstportrait zu sehen: Ein „Irgendwo Büroraum“, versteckt hinter einer riesigen Plattenkamera ein Mensch unter dem schwarzen Kameratuch. Ein Bild der Drohung und Schüchternheit und, parallel zur Wiederentdeckung der figurativen Malerei, die Sehnsucht nach der alten analogen Plattenkamera.

08.05.2006

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