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  Heynowski & Scheumann, Kannibalen - Fotobücher "neu gelesen", Folge 3 - Seite 8


Peter Hellmich hatte aufgrund der Veröffentlichungen den Kontakt zu Heidemann gesucht, Bild- und Textmaterial zum Kopieren erhalten und dabei einen Vertrag unterzeichnet, der genau das untersagte, was später für die Filme und Bücher geschah, nämlich die Publikation in einer Zeitschrift oder in einem Fernsehprogramm des In- oder Auslands. „Ausserdem versichere ich, daß mit diesem Material keine Propaganda gegen die Bundesrepublik Deutschland getrieben wird.“ Außerdem dürfe der Stern nicht als „Urheber dieser Bilder“ genannt werden, woran sich Hellmich & Co tatsächlich strikt hielten. (Bunnenberg 2007, S.90). Die Leser aus der DDR konnten daher nicht erfahren, wer tatsächlich die Ende 1964/Anfang 1965 weit verbreiteten Fotos gemacht hatte; ihnen standen Stern, Quick, Konkret, das Buch von Köhler etc. nicht zur Verfügung, sondern nur die Legenden, die von Heynowski, Scheumann und Hellmich gestrickt worden waren.

Umgekehrt zeigte sich der DDR-Verlag der Nationen zugeknöpft, als es um Abdruckrechte für das Interview Müllers in der BRD ging; eine entsprechende Anfrage wurde abschlägig beschieden, weil ein für Otto Köhlers Buch geplanter Beitrag von Alexander Mitscherlich in Ostdeutschland nicht genehm war (Köhler 1966, S.73ff.).

Nebenbei: Der anfangs misstrauische Kongo-Müller kannte Heidemann ja aus dem Kongo und fragte diesen sogar kurz vor dem gefilmten Interview um Rat, was von Hellmich zu halten sei, erhielt aber von dem Mann vom Stern keine Antwort (Bunnenberg 2007, S. 95 und 99). Warum eigentlich nicht? Gab es dafür Gründe? Immerhin soll Heidemann seit 1953 mit Wissen der westlichen Dienste als Informant der Stasi geführt worden sein (Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Heidemann) – wie Hellmich und Scheumann (beide seit 1957, Steinmetz/Prase 2001, S.32 und 162ff.). Nicht vorgewarnt tappte Müller also in die Interviewfalle, die wenige Tage vor der Uraufführung des Films „Kommando 52“ zuschnappte.

13.05.2009

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