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  Nachgefragt: Gespräch mit Thomas Wiegand, Mitorganisator des 5. Kasseler Fotofrühlings 2009. - Seite 9


Thomas Wiegand
Das Thema wurde auf der diesjährigen Veranstaltung insbesondere von Katja Stuke und Oliver Sieber reflektiert. Sie stellten ihre Böhm/Kobayashi-Projekt vor, das nicht nur (in unterschiedlich hohen Auflagen und in gemischten Techniken) gedruckte Magazine, Kataloge und Künstlerbücher umfasst, sondern auch rein auf das Internet beschränkte Publikationsformen wie den Böhm-TradeCenter (www.frau-boehm.de/tradecenter), eine raffiniert gemachte Onlinegalerie. Stuke und Sieber können über ihre leicht erreichbare und für Nutzer kostenfreie Website einerseits problemlos mitteilen, was ihnen wichtig ist, andererseits produzieren sie Arbeiten auf Papier (um es so allgemein wie möglich auszudrücken), die zum Verkauf stehen. Ein Buch erlaubt eine komplexere Aussage als ein Bild an der Wand, ist preiswerter und erreicht u.U. ein ganz anderes Publikum als eine Ausstellung. Denn man muss nirgendwo hinfahren, um sich etwas anzusehen, sondern bestellt ein Buch und kann dies dann bequem zu Hause betrachten. Das Internet ist noch einfacher zu rezipieren und bietet ganz andere Möglichkeiten, aber dann geht es nicht wirklich um Bücher oder Abzüge. Wie auch immer gestaltete Bildstrecken im Internet sind keine Bücher, auch wenn sie aus den gleichen Bildern gespeist sein mögen. Ein Buch ist für mich als Druckerzeugnis in einer genau vom Autor, Gestalter oder Verlag vorgegebenen Form definiert. Der vom Nutzer selbst realisierte Ausdruck einer aus dem www heruntergeladenen Datei könnte als Konzept eines so gewollten „demokratischen“ Buchobjektes funktionieren; jeder Ausdruck wird dann je nach den technischen Möglichkeiten des Nutzers anders aussehen. Traditionell wird aber die haptische Form und Ausstattung eines Buches als Objekt vom Autor bzw. Produzenten festgelegt, nicht vom Nutzer oder Käufer. Jedes Medium hat also seine eigenen Produkte, die zusammenhängen mögen, aber sich nicht gegenseitig ersetzen.
Ob dieses Thema 2010 eine Rolle spielen wird, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht läge in der Zusammenarbeit mit der Kasseler Kunsthochschule die Möglichkeit, hier - unabhängig von der Gesamt-Thematik des Festivals - weiteres Material in Form von Ausstellungen, Workshops oder Vorträgen zusammenzutragen und vorzustellen. Das Kasseler Fotoforum sieht sich im Augenblick vor allem als Organisator, der die Plattform für die Veranstaltung zur Verfügung stellt und weniger als Mit-Diskutant in medientheoretischen Fragen.

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Es ist sicherlich nicht einfach, eine so dynamische Entwicklung in ein längerfristiges Festivalkonzept umzusetzen. Soll es bei dem bisherigen Vorgehen bleiben, der „Fotobuchszene“ einmal im Jahr ein Familientreffen auszurichten? Oder welche Optionen sehen Sie?

19.06.2009

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