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Das „Kabinettstück“[1] des Charles Wilp – Fotobücher „neu gelesen“, Folge 4 - Seite 3 Doch Wilps „Space Art“ ist ein anderes Kapitel – zurück zu den irdischen Themen. Wilp hatte seit seines ersten Politikerportraits (Konrad Adenauer, 1953) immer wieder Gelegenheit gehabt, Politiker aller Parteien für Titelbilder von Capital, Stern oder den Spiegel zu fotografieren. Nachdem unter Willy Brandt die erste sozialliberale Koalition in Bonn an die Regierung kam, ergab sich für Wilp zu deren erstem Jahrestag die Möglichkeit, eine Sammlung von Portraits aller 16 Regierungsmitglieder zu produzieren. Das Honorar betrug angeblich 5000 DM pro Bild (zuzüglich Spesen).[8] Zumindest ein Teil der Bilder entstand – nach der gleichen Quelle – in Wilps Düsseldorfer Studio, der andere dürfte direkt in den Amtsräumen in den Ministerien aufgenommen worden sein.[9] Die Aufnahmen sind technisch simpel aufgebaut. Zur Beleuchtung diente Tageslicht von der Seite, der schwarze Hintergrund, gemeinsames Kennzeichnen aller Portraits, war auf einer mobilen Stativkonstruktion befestigt. Fast jedem Politiker hat Wilp ein bisweilen ironisch kommentierendes Attribut beigesellt: dem Landwirtschaftsminister einen roten Korb mit Kartoffeln, der Gesundheitsminsterin einen aufgespießten Krebs, dem Kanzleramtsminister modernste Bürogeräte, dem Minister für innerdeutsche Beziehungen eine Trillerpfeife und zwei Sportler, die in die Fahnen von DDR und BRD gehüllt sind. Georg Leber, der Post- und Verkehrsminister zugleich war, erhielt einerseits sein Pappdouble zur Begleitung, andererseits Telefone, Spielzeugautos, das Modell einer Concorde und einen altmodischen Reisekoffer. Wilp spürte sehr gut, wen er vor sich hatte und teilte seine Modelle in heiße und kühle Typen ein: „Heiß ist ein Mensch, der eine starke Sinnlichkeit ausstrahlt“, erklärte Wilp damals und zählte neben Willy Brandt noch Helmut Kohl (und Elvis Presley) zu den heißen Typen, Helmut Schmidt eher zu den neutralen, immerhin aufladbaren, und Horst Ehmke zu den kühlen.[10] Brandts Attribut ist seine rechte Hand, die er dem Betrachter grüßend entgegenstreckt. Brandt war, Originalton Wilp, „so heiß, daß ich ihn nicht mit Beiwerk behängen konnte“[11] – was Brandt aufgrund früherer schlechter Erfahrungen mit einem Stern-Titelbild wohl auch gar nicht so gut gefunden hätte: „Nein, anfassen will ich nichts.“[12] Brandts skeptische Bemerkung nach seinem ersten Zusammentreffen mit Wilp: „Ich bin da doch tatsächlich von einem Verrückten photographiert worden. Jetzt bin ich gespannt, was daraus wird.“[13] Die „Pop-Art-Portraits“ liegen jeweils in mehreren Varianten vor. Am bekanntesten wurden sie als Bestandteil des 1970 in Bonn-Bad Godesberg herausgegebenen Buches „Eilt! Bundeskanzleramt.“ Das von Wilps Agentin und „künstlerischer Beraterin“[14] Doris van Dorp mit Presse-Staatssekretär Ahlers verabredete und kongenial wie ein Akte gestaltete Buch erschien in einer Auflage von 10000 Stück und wurde von der „regierungsoffiziösen Public-Relations-Organisation“ Inter Nationes (= Goethe-Institut) herausgegeben.[15] 07.07.2009 < | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | > Klicken Sie hier für den Bild-Blog zum Artikel google english translation Kommentar zu diesem Artikel ins Forum schreiben Email an den Autor Druckversion |
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