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  Leuners "fortlaufende Anmerkungen" Nr.4, 2006 - Seite 2


„Eine Ausstellung Partners von Chris Dercon und mir war die Präsen- tation der Sammlung von Ydessa Hendeles. Diese Sammlung vereint high art und sogenannte low art. Hendeles, die Sammlerin, Geschäfts- führerin ihrer Stiftung, Direktorin ihres Schauraums und Kuratorin ihrer Ausstellungen in Toronto ist, schafft es seit längerem, in ihren Ausstellungen, die als Geheimtipp gehandelt werden und die sie ausschließlich aus ihrem Sammlungsbestand zusammenstellt, einen spannenden und aufschlussreichen Dialog zwischen verschiedenen Kunstformen und Trivialkunst herzustellen. In einem Kapitel ihrer Ausstellung im Haus der Kunst hat sie über 4.000 Fotografien arrangiert, die sie auf Internetversteigerungen erworben hat. Das waren in der Regel anonyme Aufnahmen, die aber alle denselben Gegenstand zum Bildmotiv hatten: Teddybären. Wenn man als Besucher diese Räume mit wandhohen thematischen Typologien durchschritt, wurde der Teddybär irgendwann zum weißen Fleck und man fing an, den Rest des Bildes zu betrachten und konnte dann eigentlich die Geschichte des 20. Jahrhunderts anhand dieser auf den ersten Blick trivialen und banalen Erinnerungsfotografien nachvollziehen. Zugleich konnte man den kuratorischen Zugriff (den in diesem Kontext fast perfiden Kniff) eines Gleichschaltens der Rezeption des Publikums spüren, das in Verbindung mit der Beschäftigung der Geschichte des Nationalsozialismus als Thema der Ausstellung und des Hauses der Kunst als Präsentationsort (das 1937 für die nationalsozialistische Propagandakunst Hitler von Industriellen geschenkt wurde) eine besonders eindrucksvolle und nachhaltige Wirkung hatte. Das war eine sehr komplexe Ausstellung, die natürlich weitere Komponenten hatte und die auf drei Erzählsträngen aufbaute. Aufgrund der Kombination dieser Inszenierung und ihres Inhalts war Partners viel beachtet und wird immer wieder als mögliches Modell für Ausstellungen genannt. Die nicht-künstlerische Fotografie war hier genauso wie die künstlerische Fotografie zusammen mit anderen Formen der Bildenden Kunst Teil einer kuratorischen Strategie ...“

01.05.2006

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